Wenn Dominic Zilm Dienst im Schülercafè hat, beginnt der Tag für ihn um 7.30 Uhr, 40 Minuten vor Unterrichtsbeginn. Gemeinsam mit den drei anderen in seinem Team bereitet der Neuntklässler die Pausenversorgung vor. Um 9.40 Uhr, in der ersten Hofpause, muss alles fertig sein.
An diesem Dienstag stehen zusätzlich zu belegten Brötchen Panini auf dem Frühstücksplan - belegt mit Salami, Käse und Röstzwiebeln - das Stück zu 60 Cent. Am Tresen im Schülercafè bildet sich eine Schlange - obwohl heute, da der Minister zu Besuch ist, sechs Mitarbeiter der Schülerfirma und damit zwei mehr als üblich im Einsatz sind.
Tahani Abdelkader, Antonia Birkholz, Carolin Agrick und Fabian Buckow sind zum Verkauf eingeteilt, reichen ihren gleichaltrigen Kunden die gewünschten Waren über den Ladentisch: Brötchen und Panini, Vitaminboxen und Süßigkeiten, Schokomilch und Saft. Dominic Zilm hat die Kasse übernommen. "Er ist der Beste", lobt Lehrerin Heike Buhl den Neuntklässler. "An der Kasse mache ich keine Experimente. Das Geld muss stimmen", sagt sie.
Vor vier Jahren gründete sie "Große Happen - Kleine Preise" an der Nibelungenschule. Sie traf damit offenbar den Nerv der Schüler. Über einen Mangel an Mitarbeitern kann sich die Firma jedenfalls nicht beklagen. 25 Jungen und Mädchen aus den 7. bis 10. Klassen sind zurzeit "angestellt" - sogar mit einem Arbeitsvertrag.
"Es macht einfach Spaß", sagt Dominic Zilm, der seit einem Jahr dazu gehört. Er scheint seine Profession gefunden zu haben, liebäugelt damit, nach der Schule eine Ausbildung zum Koch zu beginnen. Das gefällt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. Er ist ein Befürworter solcher Schülerfirmen wie der an der Nibelungenschule. "Die Schüler erlernen in vielfältiger Weise den Umgang mit Geld und Fertigkeiten für die wirtschaftliche Planung. Das sind für ihren weiteren Lebensweg wertvolle Kenntnisse und möglicherweise auch die Basis für die berufliche Orientierung", sagt er.
An der wachsenden Zahl der Schülerfirmen in Brandenburg lasse sich erkennen, dass sich das Klima für Selbständigkeit und Unternehmergeist auch in den Schulen positiv entwickelt habe. "Während es vor zehn Jahren sieben Schülerfirmen im Land gab, sind es heute mehr als 100", stellt Christoffers fest. "Damit nimmt Brandenburg einen Spitzenplatz in Deutschland ein".
Inzwischen gibt es in Brandenburg eine Servicestelle "Schülerfirmen", die Bildungs- und Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugend-Stiftung eingerichtet haben und die die Schülerfirmen qualifiziert und vernetzt.
Für "Große Happen - Kleine Preise" aus Bernau hat sich diese Servicestelle schon bezahlt gemacht. Die Stippvisite des Wirtschaftsministers am Dienstag haben die Nibelungen-Schüler dem Schülerfirmentag in Potsdam im vergangenen November zu verdanken, als sie Wirtschaftsminister Christoffers kennenlernten - und ihn zu sich einluden.