Wegen Arbeiten an der B 158 ist die Ortsdurchfahrt Werneuchen gesperrt – doch vielen Autofahrern scheint das egal zu sein. Sie fahren trotzdem durch die Baustelle und gefährden damit nicht nur die Arbeiter. Die Polizei ist im Dauereinsatz.
Schon aus einiger Entfernung ist am Freitagvormittag der graue VW auf der Bundesstraße zu sehen. Das Schild, das kurz vor der Köpenicker Straße die Durchfahrt verbietet, hat der Fahrer wohl „übersehen“, nun nähert er sich dem Lidl-Parkplatz. Pech für den Mann aus dem Kreis Oberhavel – dort steht Polizeiobermeister Frank Opitz. Er fordert den Fahrer zum Anhalten auf. „Sie haben das Verkehrschild missachtet“, sagt der Revierpolizist und weist auf die Umleitung hin, die aus Richtung Berlin bereits in Seefeld beginnt. Der Mittfünfziger muss seine Geldbörse zücken, die Verkehrsordnungswidrigkeit kostet ihn ?20 Euro. „Ich bin einfach den anderen Autos hinterhergefahren“, entschuldigt sich der Mann. Polizeihauptmeisterin Corina Anders winkt unterdessen schon das nächste Fahrzeug heraus.
„Am Dienstag haben uns die Bauarbeiter um Hilfe gebeten“, berichtet Opitz. Zeitweise waren sogar zwei Funkwagen im Einsatz, dennoch musste noch Verstärkung gerufen werden. „Manche Autofahrer waren richtig wütend“, so der Revierpolizist. Die Ausreden waren dabei immer gleich: das Schild nicht gesehen, man wollte mal probieren, ob die Durchfahrt nicht doch möglich ist, der „Herdentrieb“.
Die Bauarbeiter haben inzwischen versucht, sich selbst zu schützen. Zusätzliche Baken wurden aufgestellt, sogar Paletten und Gullydeckel versperren den Weg. Aber das hilft immer nur zeitweise. „Die Autofahrer räumen die Hindernisse einfach wieder weg“, so Polizeihauptmeisterin Anders.
Von „katastrophalen Zuständen und rücksichtslosem Verhalten“ berichtet auch Martina Schaub. „Die Autos sind den Bauarbeitern fast über die Füße gefahren“, sagt die Sprecherin der Barnimer Polizei. Sie kündigt für die kommenden Tage weitere Kontrollen im Stadtgebiet von Werneuchen an – und das zu unterschiedlichen Zeiten. „Wir haben auch noch einmal die Umleitungsstrecke kontrolliert. Da ist alles so, wie es sein soll“, betont die Sprecherin.
Für Hans-Jürgen Otte vom Landesbetrieb Straßenwesen gehört die Situation an der B 158 fast schon zum Alltag. „Mit diesen Problemen haben wir über- all zu kämpfen“, so der leitende Mitarbeiter. Er verweist auf die teilweise schwierigen Bedingungen für die Bauarbeiter. „Da wird beispielsweise gefräst, gibt es Lärm und Schmutz. Autofahrer, die sich vorbei schlängeln wollen, können wir im Interesse der Sicherheit unserer Mitarbeiter da überhaupt nicht gebrauchen“, so Otte. Der Landesbetrieb bemühe sich zwar immer, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Das sei aber nicht immer möglich. Er habe manchmal den Eindruck, die Umleitungsschilder werden als „Werbetafeln" betrachtet, so Otte.
Werneuchens Bürgermeister Burkhard Horn beklagt bereits Schäden durch Lkw. „Die genutzten Schleichwege sind zu schmal, da werden teilweise schon die Bankette zerstört“, so der Verwaltungschef. Nach seinen Angaben sind die Einwohner von Rudolfshöhe besonders betroffen. Sie müssen derzeit über Wegendorf und Krummensee fahren. „Für drei Wochen ist das zumutbar“, findet Horn. Die Kommune habe sich zudem dafür eingesetzt, dass die Zufahrt zum Lidl-Markt offen bleibt und am Bahnübergang an der Weesower Chaussee in diesen Tagen keine Arbeiten erfolgen. „Dann wäre das Chaos noch größer“, findet der Werneuchener Bürgermeister.
Für eine junge Mutter ist das jedoch kein Trost. Sie muss ihr Kind täglich von Stienitzaue zum Hort der Grundschule im Rosenparkbringen – und einen Umweg von 30 Kilometer fahren. „Wenn man die Absperrung auf der B 158 im Bereich der Köpenicker Straße nur um fünf Meter versetzen würde, wäre das Problem gelöst“, glaubt sie.