Die Geschichte begann bereits im vergangenen Jahr. Damals hatte die brandenburgische Landesregierung eine Vereinbarung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abgeschlossen: Inhalt: Übertragung von sieben Gewässern, darunter der Gamensee, und angrenzender Uferflächen. Als zweiter Schritt wurden sie den Kommunen angeboten - und zwar unentgeltlich.
Der Gamensee hat eine Größe von rund 17 Hektar und liegt auf der Grenze zwischen den Landkreisen Märkisch-Oderland und Barnim. Etwa zwei Drittel der Gewässerfläche befindet sich auf der Gemarkung des Werneuchener Ortsteils Tiefensee. Der restliche Teil könnte der anliegenden Kommune im Nachbarkreis übertragen werden. Auch der Landkreis Barnim erhielt ein Angebot, verzichtete jedoch.
"Das Ziel war es, den Verkauf des Gamensees an einen Privateigentümer zu verhindern", sagte Bürgermeister Burkhard Horn in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung. Künftigen Generationen sollte somit der freie Zugang zum Gewässer gesichert werden. Dieses liegt im Gamengrund, einem Relikt der letzten Eiszeit. Wegen seiner Größe und der landschaftlich schönen Umgebung ist der See sowohl bei Badenden als auch bei Anglern beliebt. "Aufgrund seiner Lage innerhalb eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im südlichen Barnim und Märkisch-Oderlands sowie der Nähe zu Berlin lädt er auch zu Wanderungen ein", so der Rathauschef.
Am westlichen Ufer verläuft beispielsweise der 66-Seen-Wanderweg. Mit einer Gesamtlänge von rund 400 Kilometern ist er der größte überregionale Rund- weg in Brandenburg.
"Wir erhoffen uns von der Übernahme vor allem einen größeren Einfluss auf den Zugang", sagte Bürgermeister Horn. Als Kommune sei man "dichter dran" als der Bund oder das Land. Nach Angaben des Verwaltungschefs hatte es in der Vergangenheit immer wieder entsprechende Probleme mit dem dortigen Campingplatz gegeben. Der Betreiber hatte sein Gelände eingezäunt. "Links und rechts gibt es jedoch jeweils Zugänge", so Horn. Diese seien in jüngster Zeit auch an mehreren Tagen und zu verschiedenen Zeiten vom Ordnungsamt kontrolliert worden. "Sie waren dann immer offen", so Horn.
Für den Gamensee besteht zudem ein Fischereipachtvertrag mit dem Meisterbetrieb Hannes Böhm. Dieser läuft noch bis zum 31. Dezember 2016. Der Pachtzins, so teilte es das brandenburgische Finanzministerium der Stadt Werneuchen mit, beträgt sechs Euro pro Pachtjahr und Hektar. Die Kommune tritt in den Vertrag ein. Nach den Worten von Horn wolle man eventuell auch neue Rechte für Hobby- und Freizeitangler auf dem See aushandeln. Ab dem Besitzübergang muss die Stadt Werneuchen die öffentlichen Abgaben, Steuern sowie Erschließungs- und Anliegerbeiträge zahlen. Kämmerin Astrid Fährmann rechnet dabei mit rund 870 Euro an Grunderwerbsteuer und 200 Euro an Abgaben an den Wasser- und Bodenverband.
In der Stadtverordnetenversammlung gab es zur Übertragung des Gamensees kaum Diskussionsbedarf. Die Vorlage passierte mit 12 Ja-Stimmen und einer Enthaltung deutlich das Gremium.
Im Falle der Nichtübernahme durch die Kommune hätte das Land die Übertragung an den Fischereipächter, an eine Naturschutzstiftung oder an den Landesanglerverband geprüft.