Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels für die sechsten Klassen hätte diesmal viele Gewinner verdient. Nach der Punktwertung der Jury lag schließlich Lilli Müller aus der Basdorfer Grundschule knapp vorn. Sie vertritt den Barnim nun auf Bezirksebene.
15 Mädchen und Jungen aus dem gesamten Barnim traten am Mittwochnachmittag in der Bernauer Stadtbibliothek an, um zunächst eine Passage aus einem selbst ausgewählten Buch vorzutragen. Kurz darauf folgte eine zweite Probe. Es galt, einen bislang unbekannten Text vor einer sechsköpfigen Jury und vielen Besuchern vorzulesen. Flüssiges Lesen, deutliche Aussprache, ein angemessenes Lesetempo und sinngemäßes Betonen waren gefragt. Wird der Text inhaltlich und atmosphärisch gut erfasst und umgesetzt? Wie sieht es mit Ausdruckskraft und Dynamik aus, ohne dass das Lesen gekünstelt oder übertrieben wirkt? Es gab viele Kriterien, auf die die Juroren um Ute Schindler von der Bernauer Stadtbibliothek achteten und die durchweg und teilweise mit großer Bravour erfüllt wurden.
„Ich habe meine Wahlgeschichte laut gelesen, zuerst allein und dann vor anderen, um zum Beispiel die Betonung auszuprobieren“, sagte beispielsweise Nelli Kresse aus Klosterfelde. An Wochenenden liest sie gern und nimmt auch mehrere Bücher mit in den Urlaub. Ähnlich verlief die Vorbereitung von Jonas Holz aus Schwanebeck. „Ich habe mir selbst laut vorgelesen und dann mal lauter oder leiser, schneller oder langsamer gesprochen“, sagt er. Lesen findet er „spannend“, auch wenn er nur manchmal liest, wie er sagt.
Die Themen, die die Schüler für den Wettbewerb ausgesucht haben, beziehen sich meist auf ihre eigenen Erfahrungen und ihren Erlebnisbereich. Schulgeschichten sind darunter – sehr fantasievoll und oft mit überraschenden Wendungen –, Freundschaften und Jugendgruppen spielen ebenso eine Rolle wie Mutproben, Sport und sprechende Tiere. Bei den einzelnen Beiträgen herrscht aufmerksame Stille im Publikum. Die Stimmen der Vorlesenden klingen klar, mitunter  verleihen sie den Romanfiguren ganz charakteristische Stimmen. Mitunter geht am Ende der Vorträge ein fragender Blick in Richtung Juroren. Stolz schwingt bei allen mit.
Jean Maurice Kittler aus Schönow liebt Comedy-Bücher. Spannend und witzig seien sie, und oft liest er am Abend. Das Ende des Tages wird offenbar von vielen jungen Leuten gern zum Lesen genutzt. Auch Johanna-Sophie Voigt aus Eberswalde verbringt diese Zeit gern beim Lesen, ebenso wie sie die Ferien mit spannenden Büchern noch verschönert.
Unter den Zuhörern des Regionalentscheids sind nicht nur Freunde oder Familienangehörige. Mit Carola Volk ist auch eine leidenschaftliche Leserin und Lehrerin in die Stadtbibliothek gekommen. Sie unterrichtete viele Jahre an der ehemaligen Bernauer Gesamtschule in der Ladeburger Chaussee und ist heute am Humboldt-Gymnasium in Eberswalde beschäftigt. Den seit 1959 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisierten Wettbewerb schätzt sie, weil er sich auch in die Schulen hinein erstreckt. Dort finden die Auftaktwettbewerbe statt. „Das spornt viele Schüler zum Lesen an“, sagt sie und unterstreicht, wie wichtig es ist, gut lesen und schreiben zu können, auch in einer digitalen Welt. Sie teilt die Einschätzung von Ute Schindler, dass das Teilnehmerfeld des diesjährigen Wettbewerbs sehr stark besetzt ist. Das bewies sich insbesondere bei den Fremdtexten, die aus Stephan Knösels Schul-Epos „Master of Disaster – Chaos ist mein zweiter Name“ stammten. Wie aus einem Guss stellten die Schüler die ihnen bislang nicht bekannten Passagen vor. Alle Teilnehmer erhielten eine Urkunde und einen Buchpreis.
Der Bezirksentscheid Brandenburg Nord-Ost findet am 30. März in Strausberg statt. Bundesweit beteiligen sich an dem Wettbewerb alljährlich mehr als 600 000 Kinder aller Schularten. Über die Bezirks- und Länder-ebene kann der Weg bis ins Bundesfinale am 26. Juni führen.