Fast auf den Tag genau vor einem Jahr wurden durch Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt Überwachungs-Immissionsmessungen an den Windkraftanlagen nahe Bernau-Nibelungen, Albertshof und Thaerfelde durchgeführt.
Die Forderung nach den Messungen hatte der Bernauer Stadtverordnete Péter Vida (BVB/Freie Wähler) auf den Weg gebracht, denn die Beschwerden der Anwohner von Nibelungen über Lärmbelästigungen durch die Windräder rissen nicht ab. Damals konnte das Landesumweltamt "eine Überschreitung der in dem Genehmigungsverfahren geprüften maßgeblichen Immissionsrichtwerte" nicht feststellen. Allerdings hatte die Behörde im Außenbereich "tieffrequente Geräuschimmissionen" gemeldet. Sie kündigte im April dieses Jahres an, weitere Untersuchungen durchführen zu wollen. Diesmal sollte es um Innenraummessungen gehen.
Am 5. und 10. September war es soweit: Ein in Berlin zugelassenes Institut führte an zwei Windkraftanlagen jeweils im offenen und im reduzierten Betriebsmodus Lärmmessungen durch. Nach Auswertung der Ergebnisse stellte das Landesumweltamt fest, "dass in beiden Betriebsweisen die genehmigten Schallleistungspegel überschritten werden". Und die Behörde ging noch einen Schritt weiter: "Durch Übertragung der Messergebnisse auf die nicht vermessenen Anlagen ist hier ebenfalls von einer Überschreitung der Pegel auszugehen", stellte sie fest. Die elf Windkraftanlagen bei Nibelungen müssen nun nachts gedrosselt werden. Außerdem wird der Hersteller technische Lärmschutzvorkehrungen an den Anlagen austauschen. Erst, wenn durch eine weitere Vermessung nachgewiesen wird, dass die genehmigten maximalen Schallleistungspegel eingehalten werden, wird die Drosselung der Anlagen wieder aufgehoben.
"Unsere Hartnäckigkeit war berechtigt", sagt Péter Vida. Entgegen aller Beschwichtigungen musste das Landesumwelt nun einräumen, dass die Immissionsbelastungen von 11 bei Nibelungen stehenden Windrädern die Grenzwerte überschreiten. "Damit steht fest, was lange geleugnet wurde: Aufgrund der dichten Bebauung in der Nähe von Wohnsiedlungen kommt es zu gesundheitsgefährdenden Lärmbelastungen", zieht der Kommunal- und Landespolitiker sein Fazit.

Vida fordert weitere Messungen

Eine Drosselung der elf Windkraftanlagen in den Nachtstunden genüge aber nicht. "BVB/Freie Wähler fordert darüber hinaus eine sofortige Messung aller in der Nähe von Bernauer Wohnsiedlungen errichteten Anlagen", heißt es in einer Presseerklärung Vidas. "Es besteht eine hinreichende Sorge zur Gesundheitsgefährdung der Anwohner, sodass ein weiteres Vertrösten unzumutbar ist." Aus landespolitischer Sicht brauche es "mehr denn je die Festlegung einer verbindlichen Abstandsregelung zur Wohnbebauung, und zwar in zehnfacher Höhe der Anlage", erneuert der Landtagsfraktionschef die Forderung von BVB/Freie Wähler.