Wer die Sitzungen des Planungsausschusses nur aus der Entfernung kennt, wundert sich gelegentlich über die ausgesuchte Kommunikation einiger Akteure. Ausschussvorsitzender Frank Bretsch (SPD) etwa scheut sich nicht davor, in der Manier eines Oberlehrers jeden seiner in scharfem Flüsterton formulierten Sätze mit einem Klopfer auf den Tisch zu unterstreichen. Der Adressat dieser besonderen Botschaft, Rainer Ebeling von der Bürgerinitative Crussow, hatte es zuvor gewagt, eine Aufstellung der Windeignungsgebiete mit Waldbewuchs anzuregen. Dass er dabei mit freundlichen Worten von einer "Hausaufgabe" gesprochen hatte, wurde ihm mit der nachfolgenden Belehrung zum Verhängnis. Allenfalls "Bitten" könne Eberling äußern, bekam dieser gleich von mehreren Seiten zu hören. Auch mit dem Vorwurf, der Ausschuss würde in Eile die Windeignungsgebiete durchdrücken, setzte sich Bretsch energisch auseinander. "Der Planungsprozess in Barnim und Uckermark zieht sich mit Unterbrechungen bis zur abschließenden Empfehlung seit zehn Jahren hin. Ja, es ist richtig, wir sind möglicherweise auf der Zielgeraden. Aber mir ist nicht klar, wie Sie in diesem Zusammenhang auf einen Prozess der Eile kommen?" zischte der Vorsitzende genervt in die Richtung Eberling.
Wie zuvor angekündigt, nutzte Ralf Geschke aus Lanke die Bürgerfragestunde, um die Lanker Sorgen und Befindlichkeiten darzustellen. Mit der Überschrift "Lanke sagt nein danke zum Lärm der Autobahn durch Kiesgrubenerweiterung und Windeignungsgebiet", war seine Wortmeldung überschrieben. Von den sich addierenden Lärmbelastungen im Ort war da die Rede, vom Schutzgut Mensch und der Gesundheit der Lanker, die durch den Lärm Schaden nimmt.
Claudia Henze, die Leiterin der Planungsstelle, sezierte in einer kurzen Analyse die Lanker Gegebenheiten. "Das Lanker Lärmproblem kommt durch die A 11 und durch den Schall, der sich über den Obersee in den Ort ausbreitet. Die Kiesgrube befindet sich 40 Meter höher als die touristisch geprägte Ortslage am See. Es ist eher unmöglich, dass dieser Schall in den Ort kommt." Um sieben Hektar will die Silex Kieswerk GmbH die Kiesausbeute erweitern, dafür müsste ein Waldgürtel zur A 11 gerodet werden. Auch darauf ging Claudia Henze ein: "Es gab dazu einen Scopingtermin, dort wurden die schutzwürdigen Belange festgelegt. In der Folge wird beispielsweise untersucht, ob und in welchem Umfang sich Dinge potenzieren. Auch die Vegetation wird beurteilt, die aber mehr dem Lichtschutz als dem Lärmschutz dient. Wir werden ja sehen, was dabei herauskommt", ließ die Chefin wissen.
Zu den einzelnen Windeignungsgebieten mussten sich die Zuhörer mit stichwortartigen Erklärungen zufrieden geben - begründet wurde dies durch den Ausschussvorsitzenden mit den umfangreichen Vorarbeiten, die schon vor 2016 geleistet wurden. "Wir sprechen die Gebiete hier nicht zum ersten Mal durch, logischerweise reduziert sich mit jeder Behandlung und öffentlichen Auslegung die Zahl der Beanstandungen", erklärte Frank Bretsch.
Auf einer Fläche von 9450 Hektar und einem Anteil von 2,1 Prozent der Planungsregionsfläche in beiden Kreisen wurden demnach 48 Windeignungsgebiete identifiziert. 270 Stellungnahmen gingen nach der neuerlichen Auslegung bei der Planungsstelle ein, davon kamen 113 Zuschriften von Trägern öffentlicher Belange und 150 Einwände von 111 Privatpersonen.
Besprochen wurde Montagabend beispielsweise ein 43 Hektar großes Eignungsgebiet bei Birkholz. Anträge zur Reduzierung beziehungsweise zum Wegfall des Gebietes wurden abgelehnt. Weder die Umzingelung von Seefeld mit Windspargeln noch der Verweis auf den Regionalpark Barnimer Feldmark konnte noch Entscheidendes bewirken. 2011 betrug die Fläche noch 25 Hektar, seit 2013 stehen aber 43 Hektar zur Disposition.
Auf immerhin 227 Hektar Windeignungsfläche kommt dagegen das Blumberger Areal. Auch zu diesem Standort musste der anwesende Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) mitanhören, wie die Abwägung zugunsten des Feldes ausging. 129 Bürger hatten mit ihrer Unterschrift dagegen protestiert, die Gemeinde forderte Abstände von mindestens 1200 Metern zwischen Windrädern und Siedlungen und verwies auf den Flächennutzungsplan sowie Wohn- und Mischbauflächen. Bei dieser Gelegenheit erklärte Claudia Henze eine der Prämissen, nach denen die Planer arbeiten. "Es gibt den eindeutigen Beschluss, dass nur satzungskräftige B-Pläne nicht aber Flächennutzungspläne zu berücksichtigen sind." Wäre es anders, könnten Kommunen mit einer Verhinderungsplanung Barrieren für die privilegierte Windplanung errichten. Dies sei ausdrücklich nicht gewollt.
Bestätigt wurden weiter 460 Hektar Windeignungsfläche zwischen Grüntal und Tuchen, 72 Hektar Fläche nördlich von Krummensee, weitere 25 Hektar im Dreieck Ladeburg, Rüdnitz und Lobetal, 42 Hektar östlich von Prenden (links und rechts der A 11), 26 Hektar Fläche westlich von Schönerlinde sowie 206 Hektar östlich von Klobbicke in der Gemeinde Breydin. Auch bei Wilmersdorf-Tempelfelde (östlich von Albertshof) zeichnet sich ein Windfeld mit stolzen 674 Hektar Ausdehnung ab.
Ohne Erfolg versuchte beispielsweise Katrin Guse von der Bürgerinitative "Hände weg vom Liepnitzwald" Einwände einzubringen, so für Prenden, wo auch das Areal des früheren Mielke-Bunkers ausgewiesen wurde. "17 Hektar Land befinden sich in Privathand des Industrieparks Biesenthal, ich sehe das als Zugeständnis an den Investor", bemerkte Katrin Guse, die auf Fledermaus-Schlafplätze und mögliche unterirdische Gänge hinwies.
Zudem sprach sie die Belastungen für den Rüdnitzer Ortsteil Albertshof und die ersichtliche "technogene Überprägung" (Milchvieh-, Schweinemast- und Biogasanlage) an. Henze konterte allerdings, Rüdnitz habe keinen Widerspruch eingelegt, und allgemein gültige Kriterien einer technogenen Überprägung gebe es nicht. Zudem gebe es Gegenden in der Nordwestuckermark, in denen noch mehr Anlagen stünden.
Am Montag, 22. Februar, ab 16 Uhr werden die verbleibenden Gebiete sowie der Plan zur Rohstoffnutzung durchgesprochen. Dann kommen in der Angermünder Welk-Oberschule Windeignungsflächen wie im Liepnitzwald und östlich der A 11, bei Klosterfelde oder auch in Lindenberg zur Sprache.