Am Ende des Tages kam für Windkraftgegner Rainer Eberling aus Crussow in der Uckermark das befürchtete Ergebnis zustande. "Es ist auch völlig egal, welche Argumente man vorgebracht hätte, die Entscheidung ist schon vorher gefallen und hier spielen sicher auch landespolitische Vorgaben eine Rolle", resümierte er noch in der Nacht zum Dienstag in einer Mail. Sein Heimatort ist schon heute von zahlreichen Windspargeln umstellt, weitere werden folgen. Insgesamt ermöglicht der nach zehneinhalb Jahren Diskussion beschlossene Regionalplan rund 100 neue Windspargel in beiden Landkreisen. Nicht anders als den Crussowern ergeht es den Einwohnern der Bernauer Ortsteile Birkholz oder Birkholzaue. Beide Ortsvorsteher, Dieter Geldschläger und Wolfgang Mischewski, verlangten Änderungen der Windfelder vor ihrer Haustür. "Die Komplexität der Gebiete spielt bei den Planungen überhaupt keine Rolle. Und dann belastet uns ja noch das Autobahndreieck Barnim", empörte sich Geldschläger.
Der Ahrensfelder Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) kritisierte wie sein Bernauer Amtskollege Andrè Stahl (Linke) die "Behinderung der Planungshoheit der Kommune". Gehrke dazu: "Aus Flächennutzungsplänen entwickeln wir unsere Kommunen. Es ist ausdrücklich falsch und ein Fehler, diese Pläne nicht zu berücksichtigen." Zu Windrädern in Wäldern stellte Gehrke fest: "Wir unterstützen es, den Wald von Windrädern freizuhalten. Es gibt nur guten Wald."
Andrè Stahl thematisierte den Bernauer Siedlungsdruck und die Kollisionen der Windplanung mit der Flächennutzungsplanung in den Ortsteilen Lobetal und Ladeburg. Wie von den Stadtverordneten aufgetragen, lehnte Stahl den Plan ab. Erwartungsgemäß lehnten auch die Wandlitzer Bürgermeisterin Jana Radant, Wilfried Gehrke, Maria Brandt aus Schönwalde und beispielsweise Jürgen Hintze aus Wandlitz die Windplanung ab. Hans-Jürgen Klemm von der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzsee" brachte den Vorschlag ein, einzeln über die Windeignungsgebiete abzustimmen und so den Plan klagesicher und mehrheitsfähig zu gestalten. "Warum nehmen wir nicht die umstrittenen Gebiete im Liepnitzwald, in Crussow, bei Parstein und Neukünkendorf heraus", fragte er vergeblich.
Befürworter der Planungen wie der Planungsausschussvorsitzende Frank Bretsch (SPD) erinnerte an den Abwägungsprozess der vergangenen Jahre. "Es sind ja 14 Gebiete herausgenommen worden, bei neuen Anlagen gilt eine Abstandsfläche von 1000 Metern. Alle Windfelder unter 25 Hektar Größe entfallen automatisch", versuchte er zu werben. Und Barnims Landrat Bodo Ihrke (SPD) verwies später auf die Konsequenzen, die ein neuerliches Verschieben des Beschlusses seiner Meinung nach haben würde. "Wenn wir in Sachen Energiewende nichts tun, dann bleibt von Natur und Umwelt nichts übrig", skizzierte Ihrke dramatisch und rief dazu auf, "sich jetzt auf den Weg zu machen". Dabei sagte er, auch ihm würden Windräder im Liepnitzwald missfallen. Doch für alle Regionen müssten gleiche Kriterien gelten, ansonsten wäre der Plan angreifbar und letztlich würden überall Windspargel entstehen.
Eher jovial, aber nicht weniger unnachgiebig, hatte sich zuvor schon Uckermark-Landrat Dietmar Schulze (SPD) positioniert. Auch er zeigte an, nicht länger über die Windkraftplanung diskutieren zu wollen.
Immerhin schafften es die Gegner dieser Planung, eine namentliche Abstimmung zu erzwingen. So wurde für alle deutlich, wie beispielsweise die Bürgermeister Rainer Fornell (SPD, Panketal), Friedhelm Boginski (FDP, Eberswalde) sowie beide Landräte mit Ja stimmten. Auch Holger Lampe vom Bauernverband, Danko Jur (CDU) oder Lutz Kupitz (Linke) hatten keine Einwände gegen den Regionalplan, der mit 27 Ja-Stimmen und neun Gegenstimmen beschlossen wurde.
Schon vor der Sitzung hatten sich Windkraftgegner und Windkraftbewürworter im Schatten des Kreishauses verbal einen Schlagabtausch geliefert. Mitarbeiter von Windkraftfirmen wie Enertrag kämpften "für ihre Arbeitsplätze" und trommelten gegen die Reden der Winkraftgegner an. Letztere hatten ihre Demo langfristig angekündigt und reagierten entsprechend sauer auf das Vorgehen der Polizei.
Normalerweise muss eine Demo 48 Stunden zuvor angemeldet werden - nicht so beim Eberswalder Wachenleiter Torsten Kulig. Er hatte noch am Montagvormittag eine Gegendemo genehmigt, dann vor Ort angesichts der Plakate und Spruchbänder aber festgestellt, dass es sich offenbar doch nicht um eine "spontane Demo" handelt. Dies solle nun geprüft werden.
Immerhin erkannte Kulig, als er zwischen den Fronten stand, einen Anfangsverdacht, der nun zur Prüfung führen soll.