Aus vielen Teilen Brandenburgs, aus Ministerien und Einrichtungen von Land und Bund kamen am Mittwoch Abgesandte nach Bernau. Auf ihrer Tour durch die Stadt machten sie an Orten Halt, an denen einst Militär stationiert war, heute aber Menschen arbeiten, wohnen und/oder ihre Freizeit gestalten wie in Rehberge.
Auf dem insgesamt 42 Hektar großen Gelände an der Oranienburger Straße/Schönower Chaussee befand sich einst eine Luftwaffennachrichtenkaserne der Wehrmacht. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen die sowjetischen Truppen ein. Sie blieben bis Anfang der 1990er Jahre.
Erst 1997, nachdem die Stadt das Gelände zugeordnet bekommen und die Grundstücksentwicklungsgesellschaft STAB gegründet hatte, um sich mit ihr um alle militärischen Liegenschaften zu kümmern, wurde begonnen, das Areal umzubauen. Von Anfang an dabei: die Firma Bauregie Bernau, die die Konversion fachmännisch begleitete. Heute ist das Gewerbegebiet Rehberge nahezu ausgebucht und mit dem Erschließungsbeginn von Rehberge-Ost entsteht ein neues Viertel mit Einfamilienhäusern und Geschosswohnungsbau. Damit dürfte die Konversion dieses Kasernengeländes ihren Abschluss finden.
93 Prozent der ehemaligen Militärflächen in Brandenburg sind bis heute einer zivilen Nutzung zugeführt oder aber renaturiert worden, sagt Harold Quick, Sprecher des Netzwerkes für Konversion im Land Brandenburg FOKUS. "Die Sahnestückchen sind weg, der Rest macht es nicht leichter", weiß der Bürgermeister von Falkenberg/Elster. Die Fördermittel der EU für Konversionsmaßnahmen gibt es nicht mehr. 2015 war das erste Jahr, indem mit Zuschüssen des Landewirtschaftsministeriums gearbeitet wurde. 63 Projekte konnten realisiert, 92 Prozent des Fördervolumens ausgereicht werden.
Die Stadt Bernau hat noch zwei Flächen, die umgebaut werden müssen: das ehemalige Heeresbekleidungsamt am Schönfelder Weg und dessen Außenstelle an der Schwanebecker Chaussee. Am Schönfelder Weg hat ein Investor acht Gebäude von der Brandenburgischen Boden erworben. 450 Wohnungen mit gehobenem Standard sollen dort entstehen. Bürgermeister André Stahl ist zuversichtlich: "Wir werden mit einem gültigen Bebauungsplan ins neue Jahr starten", sagt er.
Allerdings sind die Wohnungsbaupläne nur die eine Seite. Die andere ist das seit Mitte der 1960er Jahre durch Lösungsmittel einer Wäscherei kontaminierte Grundwasser im Bereich des Teufelspfuhls. Die Sanierung soll 2016 beginnen, wird zehn Jahre dauern und rund 3,3 Millionen Euro kosten. Das Geld müssen die Eigentümer des Geländes, darunter die Stadt, zu je einem Drittel aufbringen. 853000 Euro Fördermittel sind bereits beantragt.