Damit jedes Kind sein eigenes Zimmer bekommen kann und auch die Kinderdorfmütter und -väter bessere Lebensbedingungen erhalten, wird nun im ersten Bauabschnitt, der im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden soll, zunächst an vier Häusern ein Anbau errichtet. Der ursprüngliche Plan, die Häuser aufzustocken, scheiterte am Einspruch der Ursprungsarchitekten und an explodierenden Kosten. "Das wäre so teuer geworden wie ein Neubau", so Matthias Fischer-Kallenberg, dem mit dem Baustart ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht. Auch die leer gezogenen Bestandshäuser werden im Zuge des Ausbaus jeweils komplett saniert - Dächer, Fenster, Heizungen und Vollwärmeschutz stehen auf dem Programm. Die Dächer der Anbauten werden jeweils anschließend begrünt. Da für die Anbauten die Carports an den Häusern abgerissen werden mussten, pachtet das Kinderdorf vom städtischen GLM 3000 Quadratmeter Fläche in direkter Nachbarschaft zur BAS und zum IB. Hier entstehen 22 neue Parkplätze und Versickerungsflächen, die das neue Entwässerungskonzept vorsieht. Auch ein neuer Kinderspielplatz für die älteren Kinderdorfkinder ist hier geplant.
Im zweiten Bauabschnitt, der dann im Herbst starten und im Herbst 2021 abgeschlossen sein soll, bekommen zwei weitere Familienhäuser ihren Anbau. Die zwei Familienhäuser, die aus baurechtlichen Gründen nicht erweitert werden können, werden umgenutzt. So wird das Haus am Eingang des Dorfes eine heilpädagogische Wohngruppe beheimaten, die nach den Umbaumaßnahmen 2021 bezogen werden soll, das andere Haus an der Feuerwehrdurchfahrt wird ein so genanntes Entpflichtungshaus. Hier ziehen Kinder und Jugendliche mit Kinderdorfmüttern oder -vätern ein, die in sieben bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Sie nehmen keine neuen Kinder mehr auf, mit dem Herauswachsen der Kinder werden die Familien automatisch kleiner. So gehen den Kindern und Jugendliche ihre Bezugspersonen nicht verloren. In der bisherigen Dorfmitte samt Festplatz soll ein neuer Kleinkindspielplatz entstehen.
Insgesamt investiert der SOS-Kinderdorf e.V., der seinen Sitz in München, hat 2,5 Millionen Euro - finanziert aus Spendengeldern, Fördermitteln und den Invest-Anteilen aus den Tageskostensätzen - in den aktuellen Umbau des kleinsten seiner Kinderdörfer. In etwa fünf Jahren plant Matthias Fischer-Kallenberg das nächste Bauprojekt. Dann soll im hinteren Teil des Areal ein Inklusionshaus entstehen, damit auch Kinder mit körperlichen und/oder geistigen Handicaps im SOS-Kinderdorf aufgenommen werden können, was bisher weder baulich noch konzeptionell möglich ist.