Fast 30 Jahre lang hielt Dirk N. stand, warf mal zwei Euro in einen Spielautomaten, mehr nicht. "Das hatte ich im Griff. " Dann kam die zweite Welle. Dann, vor drei Jahren, zog ihn das Onlineglücksspiel in seinen Bann und trieb ihn fast in den Ruin. "In den 30 Jahren dazwischen habe ich gut mit dem Geld gewirtschaftet und mir viele Rücklagen zum Beispiel durch Fonds gebildet. Davon ist heute fast nichts mehr übrig. Ich habe rund 55.000 Euro und damit so gut wie alle Rücklagen verspielt", gesteht Dirk N. ein. Durch Werbung im Internet kam er wieder mit dem Glücksspiel in Berührung. Erst schlug er nur freie Zeit tot. Schlussendlich spielte er auf zwei Dutzend einschlägigen Plattformen gleichzeitig. Die haben mich als Spieler mit hohen Einsätzen regelrecht bei der Stange gehalten. Deren Mechanismen sind wohl gewählt und locken mit Bonusspielen und Scheinbarangeboten. Ich war in all der Zeit zwischen lichten Momenten und Schatten bis hin zum totalen Realitätsverlust, hochgradig infiziert wie ein Junkie. Habe ich gewonnen, war ich im Gottmodus und habe gespielt. Habe ich verloren, habe ich auch gleich weitergemacht", beschreibt er seinen Zustand. Hunderte Stunden hat er, wenn er allein war, vor dem Computer zugebracht und ganze Nächte durchgespielt. "Ab und an habe ich meiner Frau tränenreich meine Verluste offenbart, doch aufhören konnte ich nicht", so Dirk N..
Vor einigen Monaten gelang es ihm dann doch die Reißleine zu ziehen. "Ich habe mich mit meiner Frau ausgesprochen, denn da waren so gut wie alle Reserven weg." Er beschloss sich Hilfe zu suchen und kam durch den Tipp einer Freundin zu Ulrike Wagner-Nawrath von der AH-Suchtberatungsstelle in der Rathenower Straße. "Ich kann die Arbeit hier gar nicht genug loben. Hier bekomme ich alles was ich brauche, um endlich ein suchtfreies Leben führen zu können."
Dirk N. weiß heute: "Es sind immer alles nur Ausreden, niemand schenkt Dir etwas und es liegt an einem selbst, etwas dagegen zu tun. Es gibt so viele Möglichkeiten in seiner Freizeit etwas Sinnvolles zu tun. Wer, wie ich, betroffen ist von einer Spielsucht, der sollte sich dringend Rat und professionelle Hilfe suchen und den Mut haben, in den Krater des Vulkans zu gucken. Das erspart Leid, Schaden und Vertrauensverluste bei der Familie und bei Freunden. Er ist sich sicher, dass er es schafft, den Verlockungen des Onlineglücksspiels fernzubleiben. "Das ist meine letzte Chance. Wenn ich es diesmal nicht schaffe, dann habe ich auch das Vertrauen meiner Frau verloren. Und das will ich auf gar keinen Fall riskieren. Und ich genieße die neue Freiheit und Stärke."

Onlineglücksspiel


Ist in Deutschland grundsätzlich illegal, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, wo Werbung dafür erlaubt ist und so auch in die Medien und die anderen Bundesländer überschwappt.