Manchmal lässt sich sogar an Wortgebilden ablesen, dass die Wirkungskreise der Pfarrerinnen und Pfarrer immer größere Ausmaße annehmen. Die „Evangelische Lukas-Kirchengemeinde Jeserig und Evangelische Kirchengemeinde Brandenburg-Ost im Evangelischen Kirchenkreis Mittelmark-Brandenburg“ war für viele Jahre Wirkungsstätte von Christiane Klußmann (49), die zum 01. September nach Tempelhof-Schöneberg gezogen ist und nun Pfarrerin der Kirchengemeinde Zum Heilsbronnen ist.

Das Zusammenwachsen der Kirchengemeinden ist gelungen

Im Entpflichtungsgottesdienst am letzten August-Sonntag in der Kleinen Kirche Schenkenberg wurde ihr – im Beisein von Superintendent Siegfried-Thomas Wisch – für ihr vielschichtiges Wirken gedankt. Beispielsweise als im November 2016 Gollwitz zusammen mit Wust und Neuschmerzke in den Pfarrbereich der Evangelischen Lukas-Gemeinde Jeserig wechselte. Dass das Zusammenwachsen gelungen ist, sei ein großes Verdienst der Pfarrerin, die zudem stets auf geordnete Akten und Archive Wert legte. Und im Gegensatz zu vielen ihrer Vorgänger überließ sie die kirchliche Bausubstanz nicht dem Zahn der Zeit, sondern entwickelte sich zur Bausachverständigen, die bis tief in die Nächte hinein Förderanträge schrieb. Und zwar für jeden Ortsteil.

Christina Klußmanns Bauliste ist lang

Manchmal waren es Kleinigkeiten wie die beiden denkmalgeschützten Grabmale auf dem Jeseriger Friedhof, die eine Tiefenreinigung und Restaurierung der Schriftzeichen nötig hatten. Für die gerettete Kirche in Wust legte sie sich zugunsten der Ausstattung ins Zeug und spürte mit kriminalistischem Instinkt sogar die verschollen geglaubte Orgel auf. Die Einzelteile wieder zu einem Instrument zusammenzufügen, bleibt Aufgabe für die nahe Zukunft. „Anfang nächsten Jahres wird für die Orgel ein GAK-Antrag gestellt. Der Antrag an die Stiftung Orgelklang ist Ende Juni eingereicht worden. Außerdem ist ein Zuschuss vom Förderkreis Alte Kirchen zugesagt worden“, schrieb Klußmann jüngst im Gemeindeblatt.

Sie hat viel für den Fortbestand der Kirchengebäude erreicht

In Deetz sind die Dacheindeckung abgeschlossen, die Wasserleitungen verlegt und die Toilette eingebaut, die Apsisfenster in Fertigung und die historische Apsisausmalung in Abstimmung. Vorsorge ist getroffen, dass das Umfeld der Kleinen Kirche Schenkenberg einschließlich Friedhof im Herbst 2021 umgestaltet wird – einschließlich Zähmung des Wildwuchses, neuer Pflasterflächen, Wege, Bänke und Pflanzungen sowie das Anlegen von Baumgräbern. In der wunderschönen Knobelsdorff-Kirche zu Trechwitz wurden der Taufengel vervollständigt, der Holzwurm vertrieben und das Dach neu gedeckt. Ihre größte Bauaufgabe fand Klußmann im kleinen Gollwitz, wo sie maßgeblich zur Restaurierung des Mausoleums beitrug, die Restaurierung des Kircheninnenraums samt Orgel ermöglichte und begleitete, und zudem eine Förderung in Höhe von 115.000 Euro aus dem Fonds Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz für die teilweise einsturzgefährdete Gollwitzer Kirchhofmauer bereitliegen hat.

Ein schönes Werk zum „Tag des offenen Denkmal“ am 12. September 2021

Klußmann verrät: „In die restaurierte Mauer werden dann QR-Codes eingelassen, an denen Informationen über Schloss, Kirche und Mausoleum, den Ort Gollwitz, die Patronatsfamilie und den Naturraum Emster-Havel abrufbar sind. Damit wird die Mauer zum ‚Erlebnisstrahl Geschichte‘“. Und das Kirchenareal wird ein Mittelpunkt des „Tag des offenen Denkmal“ am 12. September 2021. Mit: Festgottesdienst zur abgeschlossenen Innenraumsanierung (10 bis 11 Uhr), Führungen um 11.15, 12.15 und 13.15 Uhr, Konzert auf der restaurierten Wäldner-Orgel um 15 Uhr sowie Kinderworkshop, Imbissangebot, Kaffee und Kuchen.

Ihre angearbeiteten Projekte möchte sie ehrenamtlich weiter begleiten

Weil Christiane Klußmann so viel Herzblut in das Projekt gesteckt hat, ist’s zugleich ihre inoffizielle Abschiedsveranstaltung, wenngleich sie ihre angearbeiteten Projekte ehrenamtlich weiter begleiten möchte. Beispielsweise die Rettung und Wiederbelebung des Jeseriger Pfarrhauses, für das sie einen Fördermittelbescheid über knapp 400.000 Euro „besorgt“ hat, sodass bis Ende 2023 im Dachgeschoss ein Ludwig-Tieck-Museum entstehen kann, im Erdgeschoss ein Gemeinschaftsraum und im hinteren Teil Wohnraum für ihre/n Nachfolger/in. Ob und wann es sie/ihn geben wird, ist laut Superintendent Wisch offen. Vorübergehend wird Klußmanns einstiges Feld von den Nachbarn – Pfarrer Sebastian Mews (Christophorus-Kirchengemeinde Groß Kreutz) und Anselm Babin (Pfarrsprengel Netzen-Rietz) – mitbestellt. Die mitverwalteten 800 Gemeindemitglieder hoffen, dass Pfarrbereiche und deren Namen künftig nicht unmenschliche Ausmaße annehmen.