Einige werden sich vielleicht erinnern: Im Juli 2014 durchsuchten Polizeibeamte ein Anwesen in Bochow. Sie fanden zahlreiche Motorteile und auch ganze Maschinen. Vieles stammte offenbar aus Diebstählen. Am Mittwoch wurden nun vier Deutsche aus Potsdam, Spremberg und Groß Kreutz vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten zu Bewährungsstrafen wegen schweren Diebstahls beziehungsweise gewerbsmäßiger Hehlerei zwischen 18 und 22 Monaten verurteilt.

Angeklagte zeigten sich geständig

Sebastian G. und Björn M. gestanden, Maschinen der Marken Ducati, KTM, Suzuki und Yamaha entwendet haben; der dritte Angeklagte Michael N. räumte ein, sie in den Groß Kreutzer Ortsteil gebracht zu haben. Dort wollte der vierte Angeklagte Christian B. sie weiterverkaufen, als Ganzes oder zerlegt. Er wurde wegen 13 Taten verurteilt. Ihre Geständnisse ließen sie durch ihre Anwälte vortragen.

Bewährungsstrafen für Geständnisse

 Die zwischen 2012 und 2014 begangenen Taten waren erst 2018 von der Staatsanwaltschaft Berlin angeklagt und jetzt verhandelt worden. „Sie können heilfroh sein, dass es so lange gedauert hat“, sagte Amtsrichterin Hauser den vier zwischen 36 und 44 Jahre alten Familienvätern. Nach einer Absprache zwischen allen Seiten, in der Bewährungsstrafen für Geständnisse zugesagt worden waren, wurde der Prozess in drei Stunden durchgezogen. Wäre er zeitnah durchgeführt worden, wären Bewährungsstrafen wohl fraglich gewesen.
„Das war ordentlich organisiert, ordentlich aufgeteilt, die Motorräder waren mit viel Mühe ausgespäht“, so die Richterin weiter, die „von erheblicher krimineller Energie“ sprach. „Ich muss sagen, dass ich es persönlich unbefriedigend finde. Aber was soll´s – so sind die Verhältnisse.“

Anstoß zu Ermittlungen aus Baden-Württemberg

Als einziger Zeuge musste der Ermittlungsführer vor Gericht aussagen. Seine Darstellungen hinterließen den Eindruck, dass noch weit mehr passiert war als die angeklagten 16 Taten. Der Anstoß zu den Ermittlungen kam aus dem baden-württembergischen Reutlingen. Dort waren im Umkreis von 100 Kilometern zwei Ducatis im Wert von je 20.000 Euro gestohlen worden – und dieselbe Mobilfunknummer hatte sich ins Netz eingeloggt, die sonst westlich zwischen Berlin und Magdeburg unterwegs war.

Einbruch ohne Beute

Als sich die SIM-Karte, professionell unter einem falschen Frauennamen registriert, wieder auf den Weg nach Süddeutschland machte, wurde sie bereits observiert. Die Insassen eines weißen Transporters aus dem Jerichower Land machten sich auf den Weg ins bayrische Eichstätt. Sie brachen außerdem in eine Garage ein, kamen aber ohne Motorrad heraus. Niemand wurde auf frischer Tat ertappt – die Polizei ließ die beiden Männer zurückfahren, ihre Personalien wurden im Rahmen einer vorgetäuschten allgemeinen Verkehrskontrolle festgestellt.

Polizei warnte potenzielle Opfer

Damit waren zumindest jene zwei der jetzt Verurteilten bekannt, die auch in der Folge versuchten, Motorräder zu entwenden – vor allem im Berliner Raum. Die Polizei beschattete sie, hörte ihre Telefone ab, teilweise live. Der Trick, um die Aufenthaltsorte der Motorräder zu erfahren, klang einfach. Eigentümer, die auf Ebay-Kleinanzeigen oder Mobile.de  annoncierten, wurden kontaktiert. Nach intensiven Gesprächen über die genauen Spezifikationen folgte die Frage nach der Probefahrt. So erfuhren die beiden Männer, wo sie nachts suchen mussten. Einige Geschädigte erstatteten Anzeige, einige wurden von der Polizei rechtzeitig gewarnt und schafften ihre Maschinen an einen anderen Ort.

Über die Landesgrenzen hinaus aktiv

So waren die beiden Angeklagten, polizeilich überwacht, viele Nächte unterwegs, auch in Kyritz und Neuseddin. Was mit den Motorrädern geschah, bekam die Polizei erst nach einiger Zeit mit. Sie wurden teilweise in Biederitz nahe Magdeburg in den weißen Transporter verladen. Der wurde schließlich auf öffentlichem Straßenland abgestellt – und später von Michael N. abgeholt, der ihn wiederum nach Bochow fuhr.

Spuren führen nach Bochow

Als die Polizei schließlich im Juli 2014 das Anwesen in Bochow durchsuchte, fanden sich zahlreiche Motorräder und Teile aus anderen Diebstählen in Potsdam und Nuthetal. So wurde eine ganze Maschine, bei der offenbar die Farbe nicht stimmte, entdeckt. Dieses Modell zu stehlen, das „war ganz klar eine Auftragsarbeit“, schätzte der Ermittlungsführer ein. Der Beamte hatte einen Verdacht, warum auch Motorräder gestohlen wurden, die gar nicht inseriert waren: Einer der Angeklagten sei beruflich einen Betonmischer gefahren und habe seine erhöhte Sicht genutzt, um über die Zäune zu schauen. Die vier Männer, meinte der Ermittler, seien eine Bande, bei der die Aufgaben klar verteilt sind.

Zeit spielt den Angeklagten in die Karten

Von einer Bande ging das Gericht da schon nicht mehr aus – diese strafverschärfende Annahme hätte dem Deal mit Bewährungsstrafen und einem kurzen Prozess wohl auch im Weg gestanden.
Wie das Verfahren zu einem früheren Zeitpunkt und ohne Geständnisse hätte verlaufen können, deutete die Richterin an: Die Diebstahls-Opfer hätten aussagen müssen, ebenso die wohl zahlreichen Observierungsbeamten. Das alles haben sich nun alle erspart.