An der Kreuzung, an der Neustädtische Fischerstraße und Deutsches Dorf aufeinandertreffen, tut sich so einiges. An der Süd-Ecke entsteht seit geraumer Zeit ein Wohnhaus für sechs Mitparteien, während es an der West-Ecke erst noch in die Tiefe geht. Pmp-Archäologin Janina Ludwig versucht dem Boden und erhaltenen Mauern, die nach dem Abriss des Eckhauses in den 1960er Jahren blieben, ihre Geschichten zu entlocken.
„Wir haben schon einige Scherben und Knochen gefunden, sogar Importkeramik aus dem sächsischen Raum, 13./14. Jahrhundert, und einen mittelalterlichen Kamm. Ebenso einen Brunnen aus dem 19. Jahrhundert und einen Brunnen, der keiner ist – zwar gemauert im 17. Jahrhundert aus Brunnensteinen, aber viel zu flach.

Brandenburg an der Havel

Und er war mit Holzkohle gefüllt, aber keine Feuerstelle. Ein Rätsel“, schildert Janina Ludwig, die erste Grabungsergebnisse am Bauzaun verewigt hat, „weil Brandenburger und Touristen sehr geschichtsbegeistert sind, oft stehen bleiben und ich in der ersten Zeit fünf Vorträge täglich halten konnte.“

Bis Mitte Oktober wird gebuddelt, ab November gebaut

Inzwischen sind großflächig Kelleranlagen freigelegt, die während der letzten fünf Jahrhunderte entstanden sind und großteils erhalten bleiben, wenn im November aus der Grabungsstätte eine Baustelle wird. Dann müssen 43 Pfähle bis zu 16 Meter tief in den Boden, worauf eine Bodenplatte entsteht, die den viergeschossigen, L-förmigen Neubau trägt. Binnen zwölf Monaten soll er entstehen – mit leicht historisierter Fassade und Staffelgeschoss unter einem Flachdach.  Platz für zehn Mietwohnungen. Bauherr beider Ecken ist Peter Schilling (46) aus Potsdam, gebürtiger Brandenburger.