Einen Pferdekopf, Knochen von vor Ort bestatteten Schafen, Pferden, Kühen und einem Hund, Keramiken und Scherben sowie eine Ofenkachel mit dem Monogramm von Kurfürst Friedrich III., dem späteren König Friedrich I. in Preußen, und einem französischen Sinnspruch des alten englischen Hosenbandordens - ‚Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt’ - das ist ein Teil der Ausgrabungsfunde, die das Team um Ausgrabungsleiter Torsten Geue auf dem 500 Quadratmeter großen Areal in der Lindenstraße, auf dem derzeit ein Wohnhaus und eine Tiefgarage entstehen, seit Januar aus der Erde geholt hat.

Reiche Funde in den verschiedenen Schichten

Da in diesem Teil der Neustadt vorher noch nie eine größere Fläche offen für Ausgrabungen war, machten die Wissenschaftler zum Teil überraschende Entdeckungen. Nachdem die ersten 1,5 Meter barocke Auffüllungen abgetragen waren, konnten Funde und Befunde des ausgehenden 12. Jahrhunderts bis in die Neuzeit ausgegraben und dokumentiert werden, so eine mehrfach erneuerte Grundstückseinfriedung, eine Brunnenbaugrube, Gaben und Gruben für handwerkliche Arbeiten und mehrere holzausgesteifte Keller, deren Funktionen den Archäologen noch Rätsel aufgeben. Reiche Funde, darunter auch importierte Keramik belegen den relativen Wohlstand auf diesem mit Braurecht ausgestatteten Premiumgrundstück der Neustadt.

Einblicke in das Neolithikum

In einer Ecke des Grundstücks konnte zudem ein Sandkeil ausgemacht werden, der von den damaligen Baumeistern für die Errichtung der Stadtmauer aufgeschüttet worden war. Ihm ist es zu verdanken, dass die Entstehung der Stadtmauer von den Experten nun auf etwa 1300 datiert werden kann. In der untersten der ergrabenen Schichten fanden die Wissenschaftler Zeugnisse endneolithischer Besiedlung, die sich in Form von Keramiken und Feuersteinen aus der Zeit von 2500 vor Christus darstellten. Mit Abschluss der Arbeiten am Freitag wurden die Funde inventarisiert und an das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum zur weiteren Erforschung übergeben.