Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen, das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.
Teil XVIII: Schmuck aus Hirschzähnen – entdeckt bei Bauarbeiten in Groß Fredenwalde

Überreste einer prähistorischen Bestattung

Als 1962 bei Bauarbeiten in Groß Fredenwalde menschliche Knochen zutage kamen, rief man zunächst die Kriminalpolizei. Doch ein hinzugezogener Bodendenkmalpfleger deutete die menschlichen Überreste sofort als prähistorische Bestattung. Diese Entdeckung markierte den Beginn der bis heute andauernden Untersuchung des Areals.
Auf dem „Weinberg“, einer Erhebung in der seenreichen Uckermark, wurden bisher neun Individuen geborgen, die von der Mittleren Steinzeit bis in die frühe Phase der Sesshaftwerdung datieren (zirka 6400 bis 4900 vor Christus). Somit ist Groß Fredenwalde ein in jeglicher Hinsicht herausragender Fundplatz: Mesolithische Bestattungen werden ausgesprochen selten entdeckt. Noch seltener ist der Nachweis mehrerer Beisetzungen an ein und demselben Ort.

Viele Gräber mit Beigaben

Die bekannten Bestattungen umfassen die Gräber einer Frau und eines Kindes, von zwei Männern und zwei Kindern, sowie die Beisetzungen eines Kindes, eines Säuglings und eines jungen Mannes. Die Grabgruben waren, wie nicht unüblich, mit rotem Sand beziehungsweise Ocker ausgestreut, und verleihen Artefakten wie Knochen bis heute eine markante rötliche Färbung.
Auch Beigaben in Form von Flintklingen und -abschlägen, Lehmkugeln, Pfeilspitzen, Knochenahlen, Knochendolchen und eines Flintschneidendolches mit Verzierung konnten geborgen werden.

Schmucke Tierzähne

Zu den Beigaben zählen auch gelochte Tierzähne, von denen 41 bei den Ausgrabungen 1962 freigelegt wurden. Die Durchbohrungen lassen erahnen, dass die Zähne einst als Schmuck Verwendung fanden. Der Fund von einigen, noch an einem Kinderschädel anhaftenden Schneide- und Eckzähnen vom Rothirsch belegen dies eindrücklich. Ob diese Tierzähne einst auf einer Kopfbedeckung aufgenäht waren oder als eine Art Stirnband getragen wurden, lässt sich jedoch nicht mehr ermitteln.

Auch Schneckengehäuse zierten Kleidung

Schmuck aus Tierzähnen und -krallen sowie aus Geweihen, Muscheln und Knochen ist mehrfach aus steinzeitlichen Kontexten überliefert. Die Stücke wurden als Anhänger beziehungsweise als regelrechte Colliers getragen, auf der Kleidung angebracht oder gehörten zu verschiedensten Kopfbedeckungen. In spät- und mittelsteinzeitlichen Bestattungen finden sich auch filigrane, durchbohrte Schneckengehäuse, die wohl ursprünglich die Kleidung zierten.