„Unser Buch der Bücher“ ist seit Freitag im Brandenburger Dom zu bewundern. Sowohl – als auch. Unter dem Titel vereinen sich wertvollste Zeugnisse des Domschatzes, „wobei das Evangelistar eine Besonderheit und unser Aufhänger ist“, erläutert Dr. Uwe Czubatynski, der leitend über den Domschatz wacht. Zusammen mit Museumspädagoge Michael Adam und unterstützt von der Galerie „Sonnensegel“ hat er in fünf Räumen des Kreuzganges eine Ausstellung zusammengestellt, die Schmuckstücke des Domschatzes in drei „Portionen“ serviert. Schriftdenkmäler und Textilschätze werden in Szene gesetzt und dabei die baulichen Domschätze genutzt.

Schätze sind nicht nur in der Schatzkammer zu sehen

So werden in der Schatzkammer Akten, Amtsbücher, Karten, Siegel und Urkunden gezeigt, im Auditorium textile Schätze wie eine um 1470 entstandene Kasel und andere Gewänder des 15. Jahrhunderts. „Sie sind so wertvoll, dass sie nur zeitlich begrenzt gezeigt werden können, um sie nicht zu lange aufgehängt dem Licht und der Luftfeuchte auszusetzen“, schildert Adam, verweist aber auf die aufbewahrten 120 Textilien aus neun Jahrhunderten im Dom, sodass nach einer gewissen Zeit ein Wechsel stattfinden kann. Dem baulichen Domschatz wird zudem im Winterrefektorium mit Dommodellen und Informationen zu den fünf wichtigsten Bauetappen Rechnung getragen; den Schriften sind sogar zwei weitere Räume gewidmet:

Der Brandenburger Evangelistar ist eine gut 800 Jahre alte liturgische Prachthandschrift

So ist der im 15. Jahrhundert zur Bibliothek ausgestaltete obere Kreuzgang mit Vitrinen zur Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und den freien Künsten bestückt und zeigt im Original – zwischen zwei Bronzeleuchtern des 15. Jahrhunderts – das Buch der Bücher: Der Brandenburger Evangelistar ist eine liturgische Prachthandschrift, die gegen 1210 in Magdeburg im Auftrag der Prämonstratenser des Domstifts Brandenburg geschaffen wurde und seit mehr als 800 Jahren am Ort seiner Bestimmung gehütet wird. Im Jahr 2021 ist im Quaternio-Verlag Luzern eine limitierte Faksimile-Edition erschienen, um dieses Kulturerbe Interessierten zugänglich zu machen. Eine Ausgabe lag zur Ausstellungseröffnung für Domdechant Prof. Dr. Wolfgang Huber bereit – eine zweite ist für die Ausstellung gedacht und kann im Kapitelsaal von allen Besuchern mit der gebotenen Sorgfalt durchblättert werden.

Die Ausstellung im Brandenburger Dom ist eröffnet

Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober 2022 montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11:30 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 5 / erm. 3 Euro, ist an jedem ersten Sonntag im Monat frei, wie auch am Internationalen Museumstag (15. Mai), an dem um 13 und 15 Uhr auch kostenlose Führungen angeboten werden.
Schatzkammer