Brandenburg an der Havel hat ein Schmuckstück mit Schwung! Mittwoch erreichte die neue Geh- und Radwegbrücke zwischen Friesenstraße und Bauhofstraße ihr Ziel – nach einer Reise über 500 Kilometer. Gebaut im Emsland, hatte Gertzen-Transporte den Auftrag, das 28 Meter lange und 25 Tonnen schwere Konstrukt nach Brandenburg zu bringen. „Zwei Nächte sind wir gefahren, hat alles geklappt“, resümierte Ralf Reiners, der den 33 Meter langen Schwertransport routiniert über die Straßen lenkte.

Prüfende Blicke auf neue Brücke

Als er sich mit seiner auf 16 Meter zusammengeschobenen Maschine auf die Heimreise machte, wurde die auf der Ostseite des Jacobsgrabens abgelegte Brücke von Planer Andreas Cierzynski (Köber-PLAN GmbH), Prüfstatiker Dr. Andreas Arnold und Baubetreuern der Stadtverwaltung unter die Lupe genommen. Derweilen richteten Mitarbeiter der Firma HTK Bau GmbH aus Wusterhausen die Widerlager ein, auf die gegen 11 Uhr ein BMK-Kran die Brücke hievte.
Eine neue Brücke für Brandenburg an der Havel

Überbrückt Eine neue Brücke für Brandenburg an der Havel

Das exakte Einrichten dauerte seine Zeit, wie auch die Fertigstellung des Brückenprojektes noch einige Wochen in Anspruch nimmt. Zwar ist der 28 Meter lange und 2,50 Meter breite Brückenkörper aus Stahl sogar schon mit dem rutschhemmenden Belag und den abgerundeten Geländerstützen ausgestattet, doch fehlen noch die Edelstahlhandläufe, Spannseile, barrierefreie Wegeanschlüsse…

Ein 770.000-Euro-Projekt

Vollendet wird das im Programm „Stadtumbau Aufwertung“ geförderte 770.000-Euro-Projekt laut Peter Reck, Fachgruppenleiter für Straßen und Brücken, wohl Anfang April. Dann endlich endet für die Friesenstraße im 120. Jahr ihres Bestehens das Dasein als Sackgasse. Im Jahr 1901 hatte man begonnen, das „Baebenrothschen Worth“ genannte Wiesen- und Gartenland westlich des Jacobsgrabens und nördlich der Wilhelmsdorfer Straße zu erschließen. So entstanden die Jahn-, Gutenberg- und Franz-Ziegler-Straße und eben die Friesenstraße – als Arbeiterwohnstraße für die zahlreichen Werke in der Bahnhofsvorstadt sowie entlang der Bauhofstraße. Letztere hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts zur wohnlichen Straße gewandelt und bietet zwischen der einstigen Papierfabrik, der Wredowstraße und dem Jacobsgraben, also auf dem Vorhof der neuen Rad- und Gehwegbrücke, noch wohnliches Potential.

Warum erst jetzt?

Warum es das überbrückende Bindeglied zwischen Wilhelmsdorfer Vorstadt und Brandenburger Neustadt nicht viel früher gegeben hat? Womöglich hatten bereits die Planer der Friesenstraße deren Durchlässigkeit im Blick, was zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise in Vergessenheit geraten ließen. 2021 ist die Zeit reif laut Bürgermeister Michael Müller: „Wir machen den Brückenschlag, verbinden die Quartiere, bieten den Bewohnern etwas mehr Verkehrssicherheit“ – beispielsweise auf den Wegen zum Saldern-Gymnasium oder zur neuen Kita in der Bauhofstraße. Auf jeden Fall nicht geradewegs. Einerseits bedingt durch die Lage der zur Verfügung stehenden Grundstücke, andererseits aus gestalterischer Sicht. Planer Cierzynski: „Ich dachte, es ist schöner, wenn die Brücke zentral an der Friesenstraße liegt und dann im eleganten Bogen zur Bauhofstraße führt. In Verbindung mit dem gebogenen Geländer hat die Brücke fast etwas Skulpturenhaftes.“