Das Schild „Brücke vom 21.09.21, 10h bis 23.11.21 gesperrt“ zierte noch im März 2022 die Baustelle der gesperrten Näthewindebrücke. Die aber ruht seit fünf Monaten – seit die begonnenen Instandsetzungsarbeiten offenbarten, dass der bei der Brückenhauptprüfung im Januar 2020 von einem Berliner Planungsbüro mit der Note 2,5 - 2,9 als ausreichend definierte Zustand unhaltbar ist.
Als die mit der Instandsetzung beauftragte Firma Schmees & Lühn aus Fresenburg am 20. September 2021 loslegte, legte das Schadbild eher den Abriss nahe. „Bei der Untersuchung der Holzflächen zur Rissbehandlung wurden in den Bögen in Größenordnungen faulige Hölzer, hervorgerufen durch Pilz- und Insektenbefall, festgestellt…
Das veraltete Sperrschild hielt bis in den März durch.
Das veraltete Sperrschild hielt bis in den März durch.
© Foto: Th. Messerschmidt

Zu viele besorgniserregende Schadstellen

Auch der Bereich am Knotenpunkt sieht besorgniserregend aus, da die Standsicherheit durch die Freilegung der Schadstellen stark abgemindert ist“, ist der Beschlussvorlage zu entnehmen, die Ende Januar 2022 der Stadtverordnetenversammlung vorlag, da „eine Reparatur der vorhandenen Schädigungen den Preis für eine Erneuerung mehr als das Doppelte übersteigen“ würde und aus jetziger Sicht nicht mehr wirtschaftlich wäre. Die SVV beschloss die „preiswerte“ Lösung und somit „die außerplanmäßige Mittelbereitstellung in Höhe von 561.669,11 Euro für das Bauvorhaben Sanierung der Geh- u. Radwegbrücke über die Näthewinde“. Die bauausführende Firma hat es nun mit einer Sanierung anstelle der mit 250.000 Euro veranschlagten Instandsetzung zu tun. Die Realisierungsphase ist seit dem 07. März zu erleben.

Die Brücke wird in alle Einzelteile zerlegt

Da die tragenden Holzbögen zu entfernen sind, muss zur Abstützung der Brücke eine Hilfskonstruktion her, wofür zwei Joche ins Flussbett gerammt werden. Sodann kann auch der Unterbau demontiert und ins Werk geschafft werden, um ihn dort wetterunabhängig zerlegen und begutachten zu können. Die Sanierung soll unter Wiederverwendung der vorhandenen Stahlbauteile erfolgen, während die Holzbögen in Gänze erneuert werden – mit verbesserten Details. Um einen besseren Schutz vor Feuchtigkeit zu gewährleisten, bekommen die Schichtholzbögen eine Schicht aus gewalztem Zinkblech dazu, aber so, dass der Anschein der Holzbrücke bleibt.

Ziel ist „ein neuwertiges Brückenbauwerk“

Vor dem Brückenaufbau werden noch die Lager wegen starker Verformung ausgetauscht und abschließend die Brückenbeläge (diesmal aus naturfaserverstärktem Kunststoff) und -geländer (Holz und Stahl) montiert. Ziel ist „ein neuwertiges Brückenbauwerk mit einer zu erwartenden Lebensdauer von mindestens 20 Jahren.“ Ähnlich war die Lebensdauer beim Entstehen der Holzbogenbrücke 1999 vorhergesagt.
Dass sich auch die Vorhersage (laut Beschlussvorlage) mit der „Fertigstellung der neuen Gesamtkonstruktion im Mai 2022“ bewahrheitet, ist in Anbetracht des späten Sanierungsstarts und der bauübergreifenden Lieferengpässe eher unwahrscheinlich. Die idyllische Abkürzung können sich zumindest Dom-Gymnasiasten wohl erst wieder nach den Sommerferien (07.07. - 20.08.) zu eigen machen.