„Seit seiner Gründung ist der Ort ein typisches Straßenangerdorf“, ist auf  www.klosterlehnin.de zu dem im Jahr 1306 als „grebticz“ erstmals urkundlich erwähnten Ort zwischen Netzen und Prützke zu lesen. Zur nordwestlichen Ausdehnung in Richtung Görnsee kam es erst nach der deutschen Wiedervereinigung, deren 30. Jahrestag kurz bevorsteht – wie auch der Ausbau der Nachwendesiedlung. Der Bebauungsplan sah schon damals die Ausdehnung bis an die Görnseestraße (L88) vor, doch führten manche Ungereimtheiten und der schlechte Baugrund zur langen Baupause.

Wandel am Görnsee

Derweilen wandelte sich das Hotel am Görnsee zur „Seniorenresidenz“ und die vorgelagerte Frei- zur Grünfläche, indes diverse Hauseigentümer im Wiesengrund Risse und Setzungserscheinungen zu beklagen hatten. Bei manchen so schlimm, dass sie die Garage nicht mehr nutzen können und die Autos auf der Straße abstellen. Auf jener 5 m breiten Pflasterstraße, über die schon bald weitere 94 Häuser erschlossen sein könnten. Das offenbarte die Einwohnerversammlung, zu der Ortsvorsteher Harry Grunert, der Ortsbeirat Grebs und Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner ins Sportzentrum eingeladen hatten. Dazu zwei Investorengruppen, die ihre Vorhaben vorstellten, basierend auf zwei alten Bebauungsplänen.

Neues Wohngebiet im Wiesengrund

Das Wohngebiet am  Wiesengrund komplettieren will die AK Anlage und Kapital Deutschland AG, deren Aufsichtsratsvorsitzender Jörg Peters zuerst die seit 30 Jahren tätige Immobilienfirma vorstellte, die allein in den letzten zehn Jahren 11.700 Wohneinheiten geschaffen habe. 94 Reihenhäuser, Eineinhalbgeschosser mit je rund 100 qm Wohnfläche, sollen binnen drei Jahren in Grebs dazukommen. Auf maximal 300 qm großen Grundstücken samt Stellplatz. „Wir wollen den Wohnpark relativ geräuscharm in den Ort integrieren, nicht als Monokultur, sondern ansprechend gestalten und energetisch autark sein – mit Sonnenenergie und Erdwärme“, schildert Jörg Peters.

Auf Pfahlgründung wird gebaut

Wegen des schwierigen Baugrundes werde auf Pfahlgründung gesetzt, die durch Bohrungen – ohne Rammarbeiten – entsteht, um die Nachbarschaft zu schonen. Bei Nachfragen der Grebser, beispielsweise warum die Erschließung statt über die belastete Straße „Im Wiesengrund“ nicht über die Görnseestraße erfolgt, bezog sich Peters gern auf die Vorgaben des alten Bebauungsplanes. Aus Investoren-Sicht verständlich, denn Umplanungen kosten Zeit und Geld. Und die Aktiengesellschaft möchte bis Jahresende „Planungsreife erreichen, nächstes Jahr erste Häuser entstehen lassen und mit den Vorarbeiten demnächst beginnen.“ Bezahlbarer Wohnraum, zumeist zur Miete (7-10 Euro/qm), werde entstehen.

Ein „Öko-Camping-Park“

Entstehen soll dicht dabei, nördlich der Seniorenresidenz am Görnsee, außerdem ein „Öko-Camping-Park“, wie der 2017 in Regensburg gegründete Verein Lebenswerte Gesellschaft e.V. seine Vision für das inzwischen beräumte Kinderferienlager-Gelände genannt hat. Dem Verein geht es laut lewege.de um die „Förderung und Verdeutlichung der gesellschaftlichen Grundwerte und deren Bedeutung in Umwelt, Gesundheitswesen, Bildung, Sozialleben, Kunst und Kultur.“ Vereinsvorsitzende Elisabeth Geschka: Der naturnah und klimaneutral zu gestaltende Campingpark solle diesbezügliches Arbeiten ermöglichen und ein Platz sein, „wo wir zusammenkommen können.“ Plus Touristen. 72 Dauer- und 50 Besucherstellplätze sollen entstehen, 19 Ferienhäuser und ein Zeltplatz. Dazu ein Seminarraum, ein Spielplatz mit Teich, ein See-Laden, Café und öffentliches WC. Alles auf 12.000 qm.

Noch viel Klärungsbedarf

Für Parkplätze ist ein kommunales Grundstück im Visier, für eine „solidarische Landwirtschaft zur Eigenversorgung“ ein privates. Und fürs Badevergnügen eine Verbreiterung des Görnsee-Strandes. „Bei der Planung gibt es sicher noch einigen Klärungsbedarf, wie beispielsweise beim See, der privat ist. Sie stecken noch in den Kinderschuhen“, fasste Ortsvorsteher Grunert zusammen. Vereins-Chefin Geschka pflichtete bei: „Es gibt Verhandlungs- und Redebedarf und Kompromissbereitschaft. Wir sind da erst seit vier Wochen dran und haben die Behördengänge noch vor uns.“