Die Dominsel ist ein wunderschönes Stück Brandenburg, der Dom ein herausragendes Bauwerk – entstanden ab dem 11. Oktober 1165 (Grundsteinlegung) auf geschichtsträchtigem Boden. Die Havelinsel war Standort für eine slawische Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze.

BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet

BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet und stellt ein Jahr lang jede Woche einen Schatz vor. Um Vorfreude auf einen nächsten Besuch zu schüren sowie auch den Stolz der BrandenburgerInnen.
 Wer heute vor dem Burgweg 4 steht, wird sich nur schwer vorstellen können, dass hier einst Untäter eingesessen haben.

Beschwerde des Domsekretärs

Die Beschwerde des Domsekretärs aus dem Jahr 1904 über den Zustand seines Wohnhauses hat das Domkapitel zu einem Gutachten veranlasst. Das Urteil des Architekten und Maurermeisters Leue fiel vernichtend aus: Schwammbefall in den Wänden und Fußböden sowie aufsteigende Feuchtigkeit, die nur mit einer aufwendigen Asphaltisolierschicht in den Griff zu kriegen sei. Etwa 6000 Mark setzte der Gutachter für die Sanierung an. Er empfahl, das Gebäude abzureißen und neu zu errichten, zumal er keine Garantie geben könne, dass mit diesen Maßnahmen das Problem auch dauerhaft behoben sei. Kurz vorher war das kleine Gefängnis, das noch heute etwas westlich der Kapelle auf dem Petrikirchhof steht, errichtet worden. Das Domsekretärshaus mit seinen wenigen Arrestzellen war also nicht nur baufällig, sondern auch überflüssig geworden.

Das Gefängnis an der Petrikapelle

Damit endete die Gefängnistradition im Burgweg: 1763 hat das Domkapitel hier ein neues und größeres Gefängnis errichten lassen, in dem auch der Gerichtsdiener wohnte. Das dafür nötige Grundstück tauschte es von Anna Schönefeldt. Bereits 60 Jahre später musste das Haus umgestaltet werden. Im Erdgeschoss waren insgesamt 10 Zellen untergebracht. Der Gerichtsdiener wohnte in vier Kammern in der ersten Etage. Nach dem Umbau sollte er das Erdgeschoss beziehen, während oben je zwei Zellen links und rechts eines Flures eingebaut wurden. Räumlich wie auch baulich unterschied man die „leichten Gefängnisse“ von den „Kriminalgefängnissen“, die deutlich mehr gesichert waren, etwa mit Gittern vor den Fenstern. Die Wände verkleidete man mit Planken, die im Mauerwerk verankert waren.

Schwere Jungs im kleinen Gefängnis

Offensichtlich saßen nun auch „schwere Jungs“ ein, was besonders sichere Zellen erforderte. Vermutlich waren die Vermietung des Hauses an die Stadt oder ein Gericht oder auch eine vertraglich geregelte Einquartierung der Grund für den Umbau. Zumindest führten solche Kontrakte oder deren Kündigung immer wieder zu Um- und Neubauten. 1850 vermietete das Domkapitel das Gefängnis an das königliche Kreisgericht. Als es 1858 an das Domkapitel zurückfallen sollte, schlug der Kapitelsbeamte Derling vor, das Haus zur Wohnung für den Domsekretär umzubauen. Die Zellen seien für die gelegentlich eingesperrten Gefangenen zu groß. Der Sekretär müsse vertraglich vereinbart auf dem Dom wohnen. Ausführlich begründet Derling, weshalb die Mieten auf dem Dom so hoch seien und der Sekretär sie aus seinem kargen Gehalt nicht mehr bezahlen könnte.

Mieter statt Gefangene

Er solle das Haus zu dem gleichen Preis mieten, den auch das Kreisgericht gezahlt habe. Die Gefangenen könnten gegen 8 bis 10 Taler jährlich in städtischen Gefängnissen unterkommen. Das Domkapitel stimmte dem zu. Die Gefangenen sollten aber nicht in der Stadt inhaftiert werden. Vielmehr wurde beschlossen, das kleine Gebäude zwischen Gerichtsdiener und Nachtwächterhaus (Vorgänger von Burgweg 3) als Gefängnis auszubauen. Dieser Plan missfiel dem königlichen Bauinspektor Schneider. Statt den vielen kleinen Gebäuden auf dem Dom ein weiteres hinzuzufügen, sollten die Zellen lieber im Hauptgebäude untergebracht werden. Der Zugang könne durch einen 3 Fuß schmalen Weg direkt neben Haus gewährleistet werden. Er müsste lediglich durch eine Bretterwand vom Schulhof getrennt werden. Der Bauinspektor setzte sich durch und der Domsekretär musste die Häftlinge in seinem Hause dulden.

Das neue Polizeigefängnis

1901 hatte die Stadt den Vertrag über die Unterbringung der Polizeigefangenen in städtischen Gefängnissen gekündigt. So bat der Kreis Westhavelland das Domkapitel, für den Dombezirk auf dem Petrikirchhof ein neues Polizeigefängnis einzurichten. Das Domkapitel folgte dem Vorschlag unter Wahrung sämtlicher Eigentumsrechte.
Spätestens nach der Eingemeindung der Dominsel 1929 verlor das Gefängnis seinen Zweck und wartet noch, einem anderen zugeführt zu werden.
Dr. Rüdiger von Schnurbein
Dommuseumsleiter

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