Hanno Schmitt, geboren 1942 in Marburg/Lahn, hatte Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert – sowie Erziehungswissenschaft, wofür sein Herz besonders schlägt. Deswegen war seiner Lehrertätigkeit kurz und sein Weg 1971 als Studienrat an das Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Marburg Berufung. 1993 führte ihn sein Berufsweg als Professor für Historische Pädagogik glücklicherweise an die Uni Potsdam (bis 2008) und somit in die Nähe Reckahns, wo er auf das 1992 unter Leitung von Otto Günther Beckmann eingerichtete Schulmuseum aufmerksam wurde. Schmitt traute Reckahn viel mehr zu.

Ein Mann, der Reckahn veränderte

Es sei schade, so Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle, das Reckahn so lange vergessen und die Bildungsgeschichte nicht aufgearbeitet war. „Und dann kam ein Mann, der das alles veränderte – der Spiritus Rector von Reckahn. Sie gründeten einen Verein, initiierten die Sanierung des Herrenhauses. Sie haben sich stets dafür eingesetzt, das Reckahner Ensemble – bestehend aus Schloss, Schlosspark und Renaissancebau – weiter zu entwickeln.“ Durch die Synthese von Ausstellung, Bildung und Forschung sei es gelungen, den Namen Rochow und seine bedeutenden Bildungsansätze wieder zu vergegenwärtigen.

Dorfschule wird Musterschule

Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) war Schlossherr von Reckahn und Preußens wichtigster  Pädagoge. Er hatte erkannt, dass der Bildungsstand der Landbevölkerung zu gering sei, um ihre Lebensverhältnisse verbessern und die Landwirtschaft reformieren zu können. Also gründete er auf seinem Gut 1773 eine Dorfschule, die zur Musterschule werden sollte und verfasste 1776 mit „Der Kinderfreund“  ein Lese- und Sachbuch zum Gebrauch in Landschulen.
Rochow wollte weg von Schulen, die Kindern lediglich den eigenen Willen abgewöhnte und die frühzeitige Unterwerfung dressierte.

Bildungsansätze begeisterte Schmitt

Rochows Bildungsansätze können nie unmodern werden, weswegen sich Hanno Schmitt begeistert durch die Bildungsgeschichte der letzten 300 Jahre forschte, immer neue bildungshistorische Quellen erschloss und somit die Realgeschichte von Bildung und Erziehung rekonstruierte.
Seine Erkenntnisse schlugen sich in unzähligen Texten nieder und spiegeln sich in mancher Ausstellung wider. Seit 1991 zumeist in Reckahn. Dort, wo die Familie von Rochow im 18. Jahrhundert die Bildung revolutionierte und Hanno Schmitt das Rochow-Museum 2001 mitbegründete – mit der Dauerausstellung „Vernunft fürs Volk – Friedrich Eberhard von Rochow im Aufbruch Preußens“.

Besucher aus aller Welt

Seitdem wächst die Besucherschar stetig, führen wissenschaftliche Tagungen, die „Reckahner Bildungsgespräche“  und Diskussionen zu aktuellen Forschungserkenntnissen Fachleute aus aller Welt zusammen, wecken Sonder- und Kunstausstellungen das Besucherinteresse.
Oder wie Wegbegleiter Günter Baaske, zugleich Schirmherr des jüngst für 3,8 Mio. Euro sanierten Renaissancebaus, zusammenfasst: „In Reckahn als Wiege der wertschätzenden Pädagogik, findet heute wieder ein lebhafter Austausch statt“. Insbesondere dank Hanno Schmitt, der dafür von Bildungsministerin Manja Schüle das Bundesverdienstkreuz angeheftet bekam.

Dank an Mitwirkende

„Wenn man so viel hört, was man alles ist, ist einem das ein bisschen peinlich“, erklärte der Geehrte, der sogleich beteuerte: „Ich nehme die Auszeichnung gern an und sie tut sehr gut. Geehrt sind damit aber auch alle, mit denen ich hier in den letzten Jahren gewirkt habe“ –  unter anderem in der von Victoria Dagmar von Rochow-Litscher 2002 gegründeten Stiftung „Der Kinderfreund“, deren Vorsitzender Prof. Hanno Schmitt ist.

Stiftung zur Förderung von Kultur, Erziehung und Bildung

Der Stiftungsauftrag (laut reckahner-museen.byseum.de) ist ganz nach seinem Geschmack: „Die Stiftung soll den Erhalt, das Gedenken und die Zukunftsorientierung des Lebenswerks Friedrich Eberhard von Rochows (1734-1805) ermöglichen. Sie dient der Förderung von Kultur, Erziehung und Bildung sowie der Denkmalpflege … und bemüht sich durch die Bereitstellung von Mitteln um die Bewahrung und Pflege dieses bildungsgeschichtlich einmaligen kulturellen Gedächtnisortes von gesamtstaatlicher Bedeutung mit internationaler Ausstrahlung.