Unter dem weit vor Beginn der Corona-Pandemie ausgeheckten Motto „Wege finden“ für die Spielzeit 2020/21 hat im Brandenburger Theater die neue Bühnensaison begonnen. Wegen einzuhaltender Hygiene- und Abstandsregeln unter erschwerten Bedingungen und womöglich genau deshalb ambitionierter als je zuvor. Mit einer Premieren-Ballung meldet sich das Theater zurück, um nach außen deutlich zu machen: „In Brandenburg ist wieder Kultur erlebbar!“, so Frank Martin Widmaier, der künstlerische Leiter.

Kartenverkauf läuft nur langsam an

Etwas bange war ihm dennoch vor dem ausdauernden Saisonstartschuss, denn die ohnehin begrenzten Karten gingen nicht so schnell weg wie erhofft. Womöglich hatte sich die Nachricht vom vielseitigen Theaterschaffen nach Monaten Kulturabstinenz nicht so schnell verbreitet. Auch war mit dem geballten Kultursegen kaum zu rechnen. Umso schöner ist, dass das BT endlich wieder auf den Bühnen der Stadt zeigen kann, wozu es in der Lage ist. Und das vermehrt mit Eigenproduktionen! „Ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Brandenburger Theater viel mehr kann, als nur Bespieltheater zu sein“, findet Widmaier, der zum Auftakt am Freitag für die „Faust“-Dramaturgie verantwortlich zeichnete.

Drei Aufführungen von Faust geplant

 Drei weitere Aufführungen stehen dem Goethe-Klassiker im Großen Haus bevor (13.09., 27.+30.10.), während sich Schauspieler Urban Luig unter Widmaiers Regie – nach der Samstagspremiere um 17.00 Uhr – sogar noch sechsmal als „Judas“ in Szene setzen kann (Freilichtbühne/Katharinenkirche). Insgesamt fünfmal – und ebenfalls erstmals am Samstag, 05. September (19.30 Uhr, Studiobühne) – ist Igor Bauersimas Schauspiel „Norway. Today“ zu erleben und Anstoß, sich mit dem Tabuthema Suizid auseinanderzusetzen.

Operette mit bekannten Melodien in einer neue Geschichte

Gekrönt wird das Premieren-Feuerwerk zum Spielzeit-Start  mit einem humorvollen Operettenabend unter dem zeitgemäßen Titel „Operette – Aber bitte mit Abstand“. Dafür wurden aus bekannten Operetten wie „Die Fledermaus“, „Der Bettelstudent“ oder „Land des Lächelns“ die schönsten Melodien entnommen und zu einer neuen Geschichte verwoben. „Romantische, fantastische, nostalgische und kuriose Szenen“, verspricht das Theater und hatte (zum Redaktionsschluss) sogar noch einige Karten für die Premiere am Sonntag, 6. September, 16.00 Uhr. Schnellentschlossene wenden sich an die Theaterkasse, Tel. 03381/511 111; Operettenfreunde mit Geduld warten auf die Vorstellungen am 18. und 26. September. Dann ist allerdings auch schon das 1. Sinfoniekonzert der Spielzeit  (11./12.09.) verklungen, das Klassenzimmerstück „Out – Gefangen im Netz“ gestartet (17.09.)  und LUNATIKS nächste „Blühende Randschaften“ (18.09.) präsentiert…   Ja, es gibt wieder Kultur in Deutschland und im Brandenburger Theater sogar außergewöhnlich viel.