Zwar ist die Geselligkeit an der Plauer Schleuse halbiert, seit der „Dorotheenhof“ geschlossen ist, doch bleibt das Revier rund um die Plauer Schleuse immer einen Spaziergang wert. Die Naturidylle ist herrlich, die Gaststätte „Seeblick“ beständig und das Schleusen-Ensemble macht Zeitreisen möglich – neuerdings mit einem wiederentdeckten Kleinod: der monumentale Fuß eines Mastenkrans.

Wiederentdeckung durch Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes

Auf Ansichtskarten vom Beginn des 20. Jahrhunderts war das gemauerte Werk noch deutlich zu erkennen, wenngleich längst schon außer Betrieb. Doch im Laufe der Jahrzehnte wuchs der Rest zu, verschwand hinter Hecken, Bäumen und sich bis zu eineinhalb Meter auftürmendem Boden.
Vor einigen Jahren erinnerte man sich am benachbarten Ausbildungsstandort des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes der Mauern und begann mit dem Freischneiden und Freilegen. Mit Unterstützung der Jugendbauhütte kam zum Schutz sogar ein Dach drauf, das Schlimmeres verhinderte.

Sanierung offenbart Fehlstellen

Denn als nun Jahre später, im Sommer 2020 in Regie des Unabhängigen Bürgervereins Plaue e.V. die Sanierung startete, offenbarten sich erhebliche Fehlstellen, die Wasser und Frost verursacht hatten und ungeschützt vermutlich größere Ausmaße angenommen hätten.
Auch die Sandsteinabdeckung war nur noch zum Teil vorhanden und großflächig spurlos verschwunden. Taucher konnten einige Steinplatten aus dem Kanalwasser bergen

Stadt Brandenburg unterstützt

Inzwischen liegt Ersatz bereit, ist das Mauerwerk vervollständigt, was insbesondere im Uferbereich für die bauausführende Firma – Bausanierung Denkmalpflege Altenkirch u. Tomaschewski GbR –  zur tiefgreifenden Arbeit wurde.  Noch im Herbst soll die „Schiffsmastlegeanlage“, wie sie laut Schildern am Bauzaun tituliert wird, gerettet und für die Zukunft ein schöner Geschichtsbaustein sein.
In jedem Fall ist der massive Sockel ein „herausragendes Baudenkmal“, weswegen die Rettung nicht nur von der Stadt Brandenburg unterstützt wird, sondern finanziell vor allem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Modell denkbar

Und im mitwirkenden Wasserstraßenamt überlegt man sogar noch einen Schritt weiterzugehen: „Ein Modell im Maßstab 1:10 wäre noch eine schöne Ergänzung und ein gutes Projekt für die Lehrlinge“, denkt Wasserbauer-Ausbilder Jörg Gebhardt. So könnte der dreistämmige Aufbau sichtbar gemacht werden, der einst das Legen der nicht selten über 20 Meter messenden Maste ermöglichte.
Vermutlich gab es am Plauer Kanal, dessen Bau Friedrich II. 1742 befohlen hatte, einst drei solcher Bauwerke – jeweils an den Schleusen bei Parey, Cade und Plaue, die den Aufstieg von der Havel zur Elbe möglich machten.

Plauer Schleuse noch funktionstüchtig

Die Plauer Schleuse, die anfangs aus Holz gezimmert wart, seit 1821 ein Ziegelsteinbauwerk ist und im Zuge der Kanalverbreiterung und -vertiefung zwischen 1883 und 1891 um die „2te Plauer Schleuse“ erweitert wurde, scheint es noch heute zu können. Wenngleich der Schiffsverkehr seit 1938 seinen Weg über den Elbe-Havel-Kanal nimmt.
 In der Denkmalliste ist sie eingetragen als „…historische Schleusenanlage bestehend aus Zweikammerschleuse, Resten der Mastenkrananlage, dem Gebäude der ehemaligen Strommeisterei mit Nebengebäude (Schleusenweg 3), den Betriebsgebäuden auf dem Mitteldamm sowie nördlich der Nordkammer.“

Hilfe für Arbeit am Segelmasten

Die Schleuse dient heute der Gewässerregulierung und Stromerzeugung. Und der Erinnerung.  Beispielsweise an die Glanzzeiten des Plauer Kanals, an dem einst 400 Schiffer ansässig waren. Oder eben an den Mastenkran, der den Schiffern im 19. Jahrhundert half, ihre riesigen Segelmasten niederzulegen oder aufzurichten – bis sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Motorisierung der Schiffe durchsetzte und Segel sowie Mastenkräne überflüssig machte.“