Es war ein Tag wie viele andere. Das traurige Mädchen, zehn Jahre alt, dick, sitzt allein auf seiner Lieblingsbank. Da plötzlich erscheint ihm eine dunkle Gestalt, meint: „Ich glaube, du kannst eine Freundin gut gebrauchen“. Die Gestalt wird zu einem Mädchen, „das aussah wie ich, nur dass sie viel kleiner und ganz grau war. Es kam mir vor, als schaute ich in einen Spiegel, dem die Farben fehlen“, so die Ich-Erzählerin über ihre erste Begegnung mit „Tristia, meine kleine Traurigkeit“.
Unter diesem Titel hat Katha Seyffert 2020 ihr neuntes und bisher persönlichstes Buch herausgebracht. Darin beschreibt sie ihre Kindheit mit Depression. Bisher nur als E-Book erhältlich, wird die Geschichte im Frühjahr 2022 als richtiges Buch auf den Markt kommen.

Katha Seyffert ist ein Kreativmensch

Katha Seyffert, die zur zehnten Jubiläumsausgabe des Undine-Kreativwettbewerbs 2014 in der Kategorie Ü26 mit dem Hauptpreis, ausgezeichnet wurde, ist ein Kreativmensch durch und durch. Sie schreibt nicht nur, sondern illustriert ihre Bücher, ist aber allen voran als die gute Seele der Puppenbühne am Brandenburger Theater bekannt.
Das Schreiben, das Zeichnen, all das sind Prozesse, die Katha Seyffert normalerweise beim Verarbeiten helfen. „Sich mit den Sachen künstlerisch auseinander zu setzen, gibt nochmal einen ganz anderen Blick darauf“, sagt sie selbst. Umso überraschender, dass die „Tristia“ eigentlich nur möglich war, weil es ihr gut wie nie geht. „In dem Zuge bin ich viel offener geworden, was es angeht, über mich zu reden, über meine Probleme. Auch, weil ich gemerkt habe, es hilft nicht nur mir selbst, sondern ebenso anderen, die mich besser verstehen können“, sagt sie und erzählt: „Irgendwann dachte ich, vielleicht kann ich einmal etwas schreiben, was den Leuten das Thema Depression näher bringt“.

Katha Seyffert dröselte ihre Kindheit auf

Gesagt, getan. Katha Seyffert dröselte ihre Kindheit auf. „Das Buch ist 90 Prozent wirklich real.“ Die meisten Szenen sind genauso passiert, Alltag des Mädchens gewesen. „Das mit den Hosen ist zum Beispiel ein Klassiker. Ich habe spätestens da immer gemerkt, dass ich ein Problem, eine Belastung bin. Man kann nicht in einen Laden gehen, eine Hose anziehen und kaufen und gut ist. Es musste immer alles angepasst werden. Das heißt, ich habe immer Arbeit gemacht, musste mich für meinen Körper rechtfertigen“, erzählt die Autorin.
Dennoch empfindet Katha Seyffert keinerlei Unwohlsein im Zusammenhang mit diesem persönlichen Werk. Ganz im Gegenteil. „Meine Intention ist, damit zu helfen. Ich hoffe, dass es ein Stück weit Betroffene dazu ermutigt, sich zu öffnen“, sagt sie. „Wenn all das, was ich durchgemacht habe, nur dazu da war, einem Menschen zu helfen, dann bin ich zufrieden.“

Die Brandenburgerin hofft noch mehr Menschen erreichen

Die Brandenburgerin hofft nun, dass die Botschaft mit dem gedruckten Werk noch mehr Menschen erreicht. Der Wiesengrund Verlag will „Tristia“ voraussichtlich zur Leipziger Buchmesse veröffentlichen. Zu diesem Zweck hat die Autorin neue Illustrationen gezeichnet. Statt sechs gibt es jetzt insgesamt 14 Bilder – alle am Grafikpad nach Vorlage von Fotos entstanden.
Außerdem ist das Buch um einen Fragenkatalog erweitert worden, den Katha Seyffert mit einer Sozialarbeiterin erarbeitet habe – „zur Selbstreflexion und um ins Gespräch zu kommen“. „Schließlich kann einem nicht geholfen werden, wenn man nicht sagt, was man hat“, weiß sie aus Erfahrung. Darüber hinaus gibt es Adressen, an die sich Hilfesuchende wenden können.
„Ist das Buch erschienen, möchte ich mich mit „Tristia“ an Kinder- und Familienpsychologen, Schulen, Kindereinrichtungen (Wohngruppen, Heime) sowie Organisationen wenden, die sich mit Depressionen/ Essstörungen beschäftigen - in der Hoffnung, eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen“, so die kreative Schreiberin. „Denn die Geschichte ist gut geeignet, um es betroffenen Kindern zu erleichtern, sich zu öffnen – oder einfach mit ihnen ins Gespräch, in den Erfahrungsaustausch zu kommen“, ist Katha Seyffert überzeugt.