Vor einem Jahr trat Julia Schnitzer zu Beginn des Sommersemesters 2020 ihre Professorenstelle an. Das erste Jahr nutzte die neue Professorin für Digitale Medien, um im buchstäblichen Sinn das Licht einzuschalten: Gemeinsam mit ihren Studierenden aktiviert sie Lichtschalter allein über Gedankenkraft.
Ihr erster Arbeitstag war zugleich der erste Tag des Lockdowns. „Im Grunde holte ich auf dem Campus meine Schlüssel ab und musste direkt wieder gehen“, erinnert sie sich. Die THB ging in die Online-Lehre und die neue Professorin arbeitete im Homeoffice und lernte ihre Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich Informatik und Medien nach und nach bei verschiedenen Online-Treffen kennen.

Gebürtige Wienerin mit umfangreichen Erfahrungen

15 Jahre Erfahrung als Professorin an einer Berliner Hochschule bringt die studierte Designerin mit. Zu ihren Fachgebieten gehört das Interaktionsdesign, bei dem sie sich auf die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine konzentriert: „Ich bin da tätig, wo Informatik berührbar wird“, so die gebürtige Wienerin. Ihre Vision: „Zukünftig brauche ich weder Smartphone noch Hardware für eine digitale Interaktion. Per Gedanken, also Mental Commands, steuere ich die Software. Mein physisches Sichtfeld vermischt sich mit dem digitalen, zum Beispiel über Netzhautprojektion oder andere Mixed-Reality-Funktionen. Unsere physische Realität wird mit der Virtuellen Realität noch weiter verschmelzen und Geräte werden dafür zunehmend überflüssig sein“.

Interaktion zwischen Mensch und Maschine optimieren

Julia Schnitzers Forschungen widmen sich der Frage, wie sich die Interaktion zwischen Mensch und Maschine optimal ausgestalten lässt. Denn dabei spielen auch viele ethische und rechtliche Fragen eine Rolle – von der Verantwortung im Umgang mit künstlicher Intelligenz bis hin zu Aspekten des Schutzes von persönlichen Daten bei Gesichtserkennung und Co. „In diesem Spannungsfeld diskutiere ich viel mit meinen Studierenden. Denn ich will, dass sie verantwortungsvoll und mündig werden, um unsere digitale Zukunft gut zu gestalten“, sagt die 47-Jährige.

Technologien mit viel Potenzial

Mit ihren Studierenden erarbeitet Julia Schnitzer auch die vielen Möglichkeiten der sogenannten Mental Commands, also gedanklicher Steuerung von modernen Technologien. So trainierte sie in einer Projektgruppe an der THB, wie Studierende rein über ihre Gedankenkraft das Licht in ihren eigenen Wohnräumen ein- und ausschalten können. Zudem wurde ein Computerspiel entwickelt, das über Gedanken gesteuert werden kann. Solche Technologien bieten viel Potenzial, insbesondere für Menschen mit Behinderungen. „Stellen Sie sich vor, Sie können zum Beispiel das Lenkrad eines Autos ohne Hände bedienen oder sich selbst versorgen, obwohl die Gliedmaßen gelähmt sind“, gibt Julia Schnitzer einen Ausblick in nicht allzu ferne Zukunftsszenarien. Sie sieht die Möglichkeiten der Digitalisierung jedenfalls vorrangig positiv und freut sich darauf, sie zum Nutzen von Mensch und Umwelt auszuschöpfen.