Die Dominsel war Standort einer slawischen Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet.

 Zur Zeit Karls IV. (König von Böhmen 1346-1378) bis um 1400 war Prag ein bedeutendes Zentrum des Stickereihandwerks und exportierte Arbeiten von hoher Qualität. Bedingt durch die sogenannten Hussitenkriege ab 1419, das heißt Unruhen  in Böhmen nach der Verbrennung des Reformators Jan Hus, emigrierten böhmische Sticker und siedelten sich unter anderem in Franken und in der Mark Brandenburg an. Dies lässt sich am Brandenburger Textilbestand anhand technologischer und ikonographischer Merkmale der Stickereien belegen.

Böhmische Charakteristika

Bestimmte böhmische Charakteristika wie modellierende Spaltstichtechniken, spezielle Anlegetechniken der Stickfäden für Architekturelemente sowie flächendeckende Goldhintergründe lassen sich in Brandenburg nachweisen. Gleichzeitig bildeten Brandenburger Stickwerkstätten ihre eigenen Kennzeichen aus, die sich auch an der sparsameren Verwendung sehr kostbarer Materialien zeigen: nicht mehr angelegte Goldfäden, sondern farbige Seidengewebe und gespannte Seidenfäden mit Überfangfäden dienten als Hintergrund und wurden mit Goldfadenranken oder Sternchen gleichzeitig fixiert und gemustert.

Die Prozessionsfahne im Dom-Bestand

Ein solches Beispiel ist die Prozessionsfahne aus dem Bestand des Dommuseums. Die doppelseitig bestickte Fahne zeigt auf der einen Seite die Gefangennahme Petri und dessen Befreiung aus dem Kerker sowie eine Marienkrönung. Beide Szenen sind in einem rechteckigen Feld dargestellt. Auf den Rahmen sind Heilige und musizierende Engel versammelt. Deutlich erkennt man den Hintergrund aus blauer Seide sowie die goldenen Sterne.

Das Geheimnis des Lochpausverfahrens

Manche der Heiligenfiguren tauchten auch auf anderen Brandenburger Textilien auf. Die Entwürfe wurden offenbar im Lochpausverfahren übertragen: Auf einem Papier gesetzte Nadellöcher ergeben die Kontur des Bildes. Legte man diese Schablone auf das zu bestickende Gewebe und bestäubte sie mit Asche, fiel diese durch die Löcher. So blieb auf dem Gewebe die Kontur zurück, die dem Sticker als Vorlage diente. Solche Schablonen waren mehrfach, auch spiegelverkehrt zu verwenden.
Ab dem 1. Mai kann diese Technik und manche andere in der Probierausstellung „Hands on“ ausprobieren.
*Dr. Rüdiger von Schnurbein ist Dommuseumsleiter