Die Dominsel war Standort einer slawischen Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet.

Wir nennen ihn den kleinen böhmischen Marienaltar (um 1420), weil er stilistisch nach Böhmen weist, aber auch um ihn vom berühmteren, älteren und größeren Böhmischen Altar zu unterscheiden. Er hat eine durchaus bewegte Geschichte hinter sich. Zunächst aber zur Beschreibung:
In der Mitte sieht man Maria, die das Jesuskind auf dem linken Arm trägt und den Apfel in ihrer rechten Hand hält. Diese eher seltene Darstellung Marias steht für die Erlösung von der Erbsünde durch den Heiland, der von der Jungfrau Maria geboren wird. Laut Bibel (1. Buch Mose Kapitel 3) haben Adam und Eva einen Apfel vom verbotenen Baum gegessen und sind deshalb aus dem Paradies verbannt worden.

Die Geschichte des Apfels

Eigentlich ist bei Mose nur allgemein von einer Frucht die Rede. Vermutlich wegen einer Verwechslung (das lateinische Wort „malum“ kann man sowohl mit Böse als auch mit Apfel übersetzen) wurde die Frucht zum Apfel. So symbolisiert der Apfel den Sündenfall. Jesus dagegen hat durch seinen Tod die Menschheit von aller Sünde erlöst, den Sündenfall gewissermaßen bereinigt. Links und rechts oben, neben Maria finden sich vier männliche Figuren mit Büchern, aber ohne Attribute. Es handelt sich wahrscheinlich um die vier Evangelisten. Unten standen ehemals vier Figuren weiblicher Heiliger, von denen zwei verlorengegangen sind und durch die üppig gefüllten Blumenvasen ersetzt worden.

Die Figuren des Altars

Man erkennt noch Barbara mit dem Turm (links vom Betrachter) und Dorothea mit dem Korb. Früher dürften einem gängigen Schema gemäß noch Katharina und Margaretha zu sehen gewesen sein. Vielleicht kennen Sie noch den Pennälervers: „Barbara mit Turm, Margaretha mit Wurm (Drachen), Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.“ Die Flügel zeigen vier Episoden aus den sieben Freuden Mariens. Links oben verkündigt der Erzengel Maria die Geburt ihres Sohnes. Im Bild darunter beten die Könige das Kind an, das neugierig in die Schatulle greift. Rechts oben sieht man die Marienkrönung, also die Aufnahme Marias in den Himmel, die von Christus gesegnet wird. Darunter sieht man - leider nur noch in Ansätzen – die Darstellung im Tempel. Nach jüdischer Sitte reichen Maria und Josef ihren Sohn im Tempel dem Priester Simeon, der in dem Kind den Christus erkennt.

Standorte des Marienaltars

Den ursprünglichen Standort dieses Altarbildes kennen wir nicht. Vielleicht stand es auf einem Seitenaltar im Dom. Denkbar ist aber auch, dass es ursprünglich für die Marienkirche auf dem Harlungerberg geschaffen worden ist und nach der Reformation mit etlichem anderen beweglichen Inventar in den Dom überführt wurde. Lange Zeit stand es in dem Schinkelschen Antiquarium, einer Art Sammelkammer für alte, ausgediente Kirchenkunst. 1929 hat man sich überlegt, den Dom umzubauen. So sollte die monumentale Schinkeltreppe in ihrer raumbildenden Wirkung beschnitten werden. Dazu sollte ein Zwischenpodest auf halber Treppe eingezogen und ein Altarbild aufgestellt werden.

Die wechselhafte Geschichte des Altars

Die Wahl fiel auf eben diesen Marienaltar, der aber etwas gelitten hatte. So fehlten die Figuren der Katharina und Margaretha, die man kurzerhand durch die Blumenvasen ersetzte. Während des Zweiten Weltkriegs hatte man den Altar zum Schutz gegen Sprengbomben aufwendig eingehaust. Leider bildete sich in dieser Schutzhülle ein feucht-warmes Klima, in dem sich auch allerlei Pilze wohlfühlten, die die Malschicht angriffen. So entstanden die Fehlstellen in den Malereien. Die folgende Umgestaltung in den 1960er Jahren überstand das Bild. Die Domgemeinde nutzte es als Schmuck auf ihrem Gemeindealtar, bis es in den siebziger Jahren von dem Bild abgelöst wurde, das man heute kennt.

Marienaltar in protestantischer Kirche

Mancher könnte sich wundern, warum ein Marienaltar in einer protestantischen Kirche genutzt wird. Die Antwort liegt vielleicht in der Marienfigur selbst. Sie steht ja für die Überwindung des Sündenfalls durch den Heiland Jesus Christus, der von der Jungfrau Maria geboren wurde. Dies ist eine durchaus lutherische Sichtweise, auch wenn bei den Lutheranern Maria in den Hintergrund geraten ist und Jesus Christus die zentrale Figur darstellt.

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