Die Dominsel war Standort einer slawischen Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet.
Im Jahre 1836 wurde der Dom nach jahrelanger Sanierung und Umgestaltung wiedereröffnet. Der feierliche Gottesdienst geriet zum Fest der Monarchie. Das junge preußische Königtum, das sich gerade von der katastrophalen Niederlage gegen Napoleon erholt hatte, feierte sich selbst. Es befand sich in enger Verbundenheit mit Österreich und Russland, zwei der ältesten und ehrwürdigsten Monarchien Europas.

Ebenbürtige Preußen

Die Preußen wollten sich als ebenbürtig zeigen und besannen sich auf die 400 Jahre lange Tradition als Herrscher und Kurfürsten. Der Brandenburger Dom, das namensgleiche geistliche Zentrum der Mark, bot sich als Objekt der Selbstdarstellung geradezu an. Hier liegt der Grund für das große Engagement des preußischen Königshauses für den Dom.    
Passend zur feierlichen Wiedereröffnung schenkten die preußischen Prinzessinnen ein Antependium, das den Hochaltar schmückte. An der Front zeigt es ein großes Goldkreuz, das von einem Schlingornament aus ebenfalls goldenen Bändern ausgefüllt ist. An den Schmalseiten ließen die Prinzessinnen allerlei Wappen aufsticken.

Wappenträger mit Keulen

So sieht man in der Mitte oben das Brandenburger Wappen, das von zwei wilden Männern mit Keulen in den Händen gehalten wird. Rechts davon ist das Brandenburgisch-Russische Allianzwappen (Kombination aus zwei Wappen, durch die die Zusammengehörigkeit zweier Familien betont wird) zu sehen. Links ist der niederländische Löwe mit dem Adler Brandenburgs kombiniert. In der unteren Reihe erscheinen das Bayerische Wappen sowie in Kombination der Stierkopf Mecklenburgs und der Adler Brandenburgs.

Das Christentum als Richtschnur

Diese Wappenparade betont die Zugehörigkeit Brandenburg/Preußens zum Kreis der deutschen und europäischen Herrscherfamilien. Sie ist ein schönes Beispiel für die Selbstsakralisierung der preußischen Könige, die das Christentum als Richtschnur für ihre gerechte und gottgefällige Herrschaft ansahen.
Das Bild zeigt die Rekonstruktion des Altars etwa um die Wende zum 20. Jahrhundert, wie sie in der Jubiläumsausstellung 2015 zu sehen war. Das Antependium sowie die Leuchter und das Kruzifix sind original, während das Retabel natürlich nur als großformatige Abbildung im Zustand von zirka 1890 zu sehen war.
*Dr. Rüdiger von Schnurbein ist Dommuseumsleiter.