Am Sonntag jährt sich ein für die Stadt Brandenburg, das havelländische Umland und die ganze Mark bedeutendes Geschichtsereignis zum 855. Mal. Die Grundsteinlegung für den Dom St. Peter und Paul zu Brandenburg erfolgte am 11. Oktober 1165.
Wann der Bischofssitz geweiht werden konnte, ist nicht überliefert. In Havelberg etwa ist bekannt, dass der Bau des dortigen Doms um 1150 begonnen hatte, die Weihe der ursprünglichen Version in Form einer damals noch schlichten Basilika erfolgte am 16. August 1170.

Gotthardtkirche in Brandenburg ist älter

Wer beim Dom zu Brandenburg stolz von der „Wiege der Mark“ spricht, blendet eine geschichtliche Tatsache gemeinhin aus. Diese besteht in der Gotthardtkirche der Altstadt. Das ursprüngliche Gotteshaus war solange christliche Speerspitze in der Region, bis das Bauprojekt auf der Havelinsel begann, auf der die Brandenburg stand.
1157 wird als offizielles Geburtsjahr der Mark ausgegeben. Daher kam es 2007 zur großen 850-Jahr-Landesfeier im Dom. Doch schon 1150 war der Erbfall eingetreten. Der letzte slawische Herrscher, der kinderlose Pribislaw-Heinrich, war gestorben. Schon viele Jahre zuvor hatte er den Sachsen Albrecht den Bären zum Nachfolger und Erben erklärt.

Christlicher Glaube schon vor 1150 im Havelreich angekommen

Durch den Machtwechsel begünstigt, konnte die Christianisierung der Bevölkerung nun forciert werden. Doch hatte christlicher Glaube bereits zu Lebzeiten von Pribislaw-Heinrich im Havelreich Einzug gehalten. Er selbst war ein getaufter Mann gewesen. Darüber, ob er den Vorgängerbau der Marienkirche auf dem Harlunger Berg in Auftrag gegeben hatte, kann nur spekuliert werden. Denn dieser Kirchenstandort ist erst ab 1166 belegt. Derweil scheint es sicher, dass Pribislaw-Heinrich einen Vorgängerbau der Gotthardtkirche hatte errichten lassen. Laut einer Quelle des 12. Jahrhunderts soll der Slawenfürst neun Mönche aus Leitzkau an der Kirche angesiedelt haben. Diese entstammten dem Orden der Prämonstratenser, dem mit einem Mann namens Wigger auch der Bischof von Brandenburg angehörte.

Bischöfe residierten in Leitzkau

Noch residierte dieser in Leitzkau, wo sich seinerzeit das provisorische Domkapitel befand. Das Bistum Brandenburg war bereits Mitte des zehnten Jahrhunderts gegründet worden. Doch wurde der regionale Oberhirte, damals  Volkmar I., bei einem großen Slawenaufstand 983 ins Exil vertrieben. Das Bistum bestand fortan nur noch auf dem Papier. Unter Pribislaw-Heinrich änderten sich die Vorzeichen erheblich. Nach seinem Tod dauerte es aber noch elf Jahre, ehe Bischof Wilmar, der Nachfolger Wiggers, neue Fakten schuf.
Zunächst hatten er und der Erzbischof von Magdeburg im Frühling 1161 den Plan beurkundet, die Burginsel geistlich zu erhöhen. In der Folge erhob Wilmar die Prämonstratenser bei St. Gotthardt zum Domkapitel.  Als Versorgungsgüter gab er diesem auch Dörfer in der Mitte des Havellands. Der Übereignung verdanken etwa Mützlitz, Buckow und Garlitz ihre Ersterwähnung.

Übersiedlung auf Burginsel erst kurz vor Grundsteinlegung 1165

Indes diente die Gotthardtkirche als vorläufige Schaltzentrale des Bistums. Das Domkapitel war erst etwa einen Monat vor der Dom-Grundsteinlegung auf die nahe Burginsel übergesiedelt. Erste sakrale Neubauten waren wohl ab den 1170er Jahren nutzbar. Da war das märkische Wiegenlied längst verstummt.