„Auch andere Häuser künden von den Anfängen des 1856 zur Straße erklärten Weges“, hieß es in der Vorwoche zur Großen Gartenstraße, in der nur die Nr. 38 und 39 eingetragene Denkmale sind. Wie weit Hausgeschichten zurückreichen, zeigte die Nr. 19a an der Ecke zur Flutstraße. Nächstes Beispiel: die Nr. 9 an der Ecke zur Blumenstraße, gebaut wahrscheinlich von Julius Leykum, der bereits mit einer Dachpappenfabrik in der Großen Gartenstraße 40 ansässig war. Im Brandenburger Adressbuch von 1881 steht er bei der „9“ an Eigentümerstelle, seine Familie war laut Adressbuch von 1852 mit Tuchfabriken und -handlung zur Wohlstand gelangt.

Erst Farbenhandlung dann Gaststätte

Zu den Erstmietern im neuen Eckhaus zählte „Kaufm. u. Prem.-Lieut a. D.“ Carl Bröcking mit seiner „Farben-, Lack- u. Landesprodukten-Handlung“, Leistenfabrikant Emil Kollmann, der „Oberlehrer am Gymnasium“ Ernst Strube sowie „Korn- u- Kohlenmesser“ Rudolph Tuchen. Da die gewachsene Arbeiterwohngegend mehr Gaststuben vertrug, wandelte Hauskäufer und Restaurateur das gewerblich genutzte Erdgeschoss – samt Blumenstraße 1 – zur Gaststätte.  Alsbald ist „Schierwagen, Witwe“ an Eigentümerstelle zu finden und Albert Thiede der Restaurateur. Letzteren löste recht schnell Wilhelm Dommersdorf ab, dessen Name auch auf der Kartenansicht aus dem Jahr 1909 zu finden ist – wie auch im Adressbuch von 1914/15. Womöglich der vorerst letzte gastliche Eintrag. Für 1919/20 sind für Hausbesitzer Otto Krusch, „Installat.-Insp. d. stdt. Gaswerke“, als Mieter drei Witwen (darunter B. Dommersdorf) vermerkt, 1928/29 Eisenbahnangestellte und ein Steindrucker.

Nach Pause wird ausgeschenkt

Laut Adressbuch von 1938/39 bewohnten das Haus sechs Mietparteien, das mit Minna Müller wieder eine „Schankwirtin“ hat, passend zum Eigentümer „Dirr & Co., Adler-Brauerei“. Ob und wie lange die „9“ in DDR-Jahren gastfreundlich blieb, war nicht zu ergründen. Die ausdauerndste Ära startete ohne Zweifel Anfang der 1990er Jahre als Pizzeria „La Mare“.

Einst und jetzt



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