Fortsetzung vom 30.08.2020 (aus Band 2, Teil 3 von „Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg“, gewidmet „Stadt und Dom Brandenburg“, erschienen 1912): „Der Stadtteil, welcher im Laufe der Zeit hier entstand und größtenteils auf Pfählen errichtet war, erhielt aus diesem Grunde im 18. Jahrhundert erst zum Scherz, später offiziell den Namen Venedig. Er blieb außerhalb der Stadtmauer, war nur mit Palisaden umgeben und von gewissen Handwerkern bewohnt, die zu ihrem Betriebe das Wasser bedurften, wie Gerber und Töpfer oder in der Stadt selbst nicht so wohl gelitten waren, wie Kupferschmiede, Kleinschmiede und Schwertfeger. 

König Friedrich Wilhelm I. im Freihaus zu Gast

Die Häuser waren hier ohne Zweifel anfänglich nur in dem leichteren Fachwerkbau ausgeführt; massive entstanden erst später. Sie hatten daher zu Frommes Zeit die Traufe nach der Straße (ein Querdach), mit Ausnahme des Tuchmacher-Gildenhauses und eines ‚Giebelhauses mit einer Haube’.   In dem an der Havel gelegenen ‚Freihaus’ an der Nordostseite der Venedigstraße stieg einst König Friedrich Wilhelm I. ab, wenn er um 1720 zuweilen nach Brandenburg kam. In den gleichzeitigen Domrechnungen findet sich dafür geradezu der Name ‚königl. Residenz’. Noch bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts befand sich daselbst eine Gartenlaube von Brettern, die der König mit eigner Hand ausgemalt haben soll (Brandenburger Anzeiger 1812, S. 40), diese Gartenlaube ist wohl das im hedemannschen Plane dicht an der Havel verzeichnete ‚Königliche Lusthaus’.“