Das Evangelische Gymnasium am Dom zu Brandenburg ist auf einem guten Weg, der größte Weinbauer der Stadt zu werden. Was im Jahr 2014 mit dem Anlegen eines Schulweinberges samt Pflanzung der ersten 150 Rebstöcke direkt auf dem Schulhof am Domkiez begann, im Mai 2018 um 30 Reben erweitert wurde, hat sich im Jahr 2020 versechsfacht! Nördlich des Segelflugplatzes an der Mötzower Landstraße hat das Domstift 1,5 Hektar gepachtet, aus denen das Domgymnasium in den nächsten Jahren einen Weinberg mit 5000 Reben formen will. Die ersten 900 wurden im Laufe des Jahres gepflanzt, hinter einer angelegten Wild- und Streuobstwiese.

Das Projekt soll weiter wachsen

„Weitere 900 Rebstöcke folgen im Frühjahr 2021“, verriet Schulleiter Dr. Winfrid Overbeck beim nunmehr sechsten kleinen Weinbergfest, das am letzten, heftig verregneten September-Samstag Eltern der ins Weinbau-Projekt einbezogenen SchülerInnen zusammenführte. „Heute ist das beste Wetter, das wir seit Tagen haben“, überraschte Overbeck die Gäste und begründete, „wir brauchen den Regen dringend – für unsere Weinbauarbeit.“ Die bereits erleichterten Weinreben sollen Kraft tanken, begründete der Schulleiter und kündete vom Erntesegen: „Solaris“ sei sehr schön gereift, habe etwas Mehltau angesetzt und 63 Kilo Trauben eingebracht. Von der Sorte Cabernet Cantor gab es 50 Kilo und von der Sorte Johanniter „richtig schöne 28 Kilo mit 86 Öchsle, geerntet am 25. September. Die haben also bis zum letzten Sonnenstrahl alles eingefangen.“ Allerdings gab es auch Diebe: gefräßige Vögel zeigten sich als sehr intelligent, überwanden sogar die schützenden Netze und hatten großen Appetit. „Die übrig gebliebenen rund 130 Kilo Trauben werden zu hochwertigsten Produkten“, versprach Dr. Overbeck.

Innovation in diesem Jahr

Der Wein sei angesetzt, der Most in Flaschen gefüllt und der „Traubentraum“ in Gläsern. Die köstlichen Ergebnisse füllten einen Verkaufsstand mit zwei Neuerscheinungen: „2019 haben wir erstmals Rotwein hergestellt und der ist toll geworden. Wir steigen jetzt verlässlich in die Rotweinproduktion ein – und sind damit einzigartig in der Stadt.“ Um die Weinproduktion kümmern sich freilich nur die „Großen“, also Zwölft-KlässlerInnen, die in der „Domkellerei Schüler EG“ vereint sind. Die Jüngeren kümmern sich in der Weinberg AG sowie in der Schülerfirma „Schülerweingut am Dom“ um Aufwuchs, Ernte, Verarbeitung und Vermarktung. Und gern auch um neue Produkte, die der Schulhof hergibt.

Viel mehr als nur Wein

„Unser Feigenbaum neben dem Weinberg hing dieses Jahr unglaublich voll, weswegen wir uns erstmalig mit der Feigenverwertung beschäftigt haben. Viele kleine Tests ergaben als neues Produkt: grüne Feigen in Sirup. Am besten zu essen mit griechischem Joghurt.“ So war am Verkaufsstand neben dem Brotaufstrich „Traubentraum“ der „Feigentraum“ zu haben und weiterhin Johannisbeergelee, Brombeergelee, Pflaumenmus sowie aus Wein und Lavendel entstandene Seife.
Zum siebenten Weinbergfest könnten Produktpalette und –vorrat sowie der Verkaufsstand noch größere Dimensionen annehmen, wenn der neue Weinberg erste Ernteerträge einbringt.