„Wir haben gar nicht gewusst, wie schön es hier ist,“ ist immer wieder das Fazit von Besuchern der Stadt. Sie sehen vor allem das Ergebnis von 30 Jahren Stadtentwicklung und dem Einsatz der Bewohnerinnen und Bewohner für ihre Häuser.
Denn schon am Ende der DDR prägten in den historischen Stadtkernen zunehmender Verfall und Leerstand das Bild, während an den Rändern der Altstädte zum Teil große Neubausiedlungen in Plattenbauarchitektur entstanden. Dieser sichtbare Verfall der alten Substanz wurde zum Schauplatz unterschiedlicher Aktionen: Resignation und Wegzug auf der einen Seite und gesellschaftliche Aktivierung auf der anderen.

Veränderung der Altstädte wichtig

Genau das zu erforschen, ist das Ziel des Forschungsprojektes „Stadtwende“ der Technischen Hochschule Kaiserslautern mit Partnereinrichtungen in Ostdeutschland. Es untersucht in ausgewählten Stadtkernen den Umgang mit der historischen Bausubstanz in der DDR und verfolgt die Geschichte der Altstädte über die Zäsur 1989/90 hinaus bis in die 1990er Jahre.
Das Projekt fragt dabei nach den Gründen für den Verfall, nach der Bedeutung von Reformansätzen in den zuständigen Institutionen, nach der Rolle der Stadtplanung und Architekt*innen sowie dem Engagement der Stadtbevölkerung.

Wanderausstellung im Herbst in Brandenburg

Erste Ergebnisse werden in einer Wanderausstellung vorgestellt, die im letzten Jahresdrittel 2021 im Stadtmuseum Brandenburg an der Havel zu sehen sein wird. Das Stadtmuseum Brandenburg an der Havel wird bei diesem aus Bundesmitteln geförderten Projekt dabei Partner sein und ist eine von zehn Städten in Ostdeutschland, die in das Projekt aufgenommen wurden.
Ein Schwerpunkt der Ausstellung wird dabei auf der Stadtentwicklung Brandenburgs nach dem 2. Weltkrieg liegen; von der geplanten Schaffung eines neuen Stadtzentrums rund um die Jahrtausendbrücke in den späten 1960er Jahren über die Vernachlässigung der historischen Stadtkerne bis hin zur Überarbeitung des Generalbebauungsplans Mitte der 1980er Jahre und zur Auswahl Brandenburgs als Modellstadt für die Stadterneuerung nach 1990.

Zeitzeugnisse gesucht

„Um die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner und Bewohnerinnen aus verschiedenen Perspektiven darstellen zu können, möchten wir Sie einladen, uns Ihre Geschichten zu erzählen und uns Ihre Fotos, Bilder oder Zeitungsartikel zu zeigen. Haben Sie in einem Altbau gewohnt? Waren Sie in einem Baubetrieb beschäftigt? Oder haben Sie sich für den Erhalt der Altstadt engagiert, waren Sie Teil einer Gruppe, die historische Baustoffe aus Abrisshäusern geborgen haben? Wir sind auf der Suche nach persönlichen Erinnerungen und Erzählungen sowie historischen Zeugnissen wie Fotos, Bildern, Gegenständen oder Zeitungsartikeln für unser Forschungsprojekt und die entstehende Ausstellung, hier im Stadtmuseum Brandenburg an der Havel“, so der Aufruf von Stadtmuseumsleiterin Anja Grothe. 

Aufruf des Stadtmuseums

Sie fügt an: „Wir würden uns freuen, wenn Sie die Zeit nutzen würden, sich an die Zeit vor 1989 zu erinnern, Ihre Fotoalben und -kisten durchzuschauen, nach Aufzeichnungen zu suchen oder auch mit Ihren älteren Verwandten zu sprechen. Ab dem 4. Januar 2021 können Sie uns telefonisch im Stadtmuseum unter 03881/ 58-4501 erreichen und vorher natürlich auch gerne unter museum@stadt-brandenburg.de.“
Neben Anja Grothe ist Julia Wigger als wissenschaftliche Mitarbeiterin im „Stadtwende“-Projekt und Promovierende an der Humboldt Universität Berlin Ansprechpartnerin für Interessierte.
Weitere Informationen zum Forschungsprojekt sind unter www.stadtwende.de zu finden. Auf einer virtuellen Karte können hier zudem erste Stadtwendepunkte zu Brandenburg an der Havel entdeckt werden.