So paradox es klingt: auf deutschen Friedhöfen wird manches lebendig. Zum Beispiels Stadtgeschichte. Denkmalgeschützte Grabstätten wie von Kommerzienrat Carl Reichstein halten auf dem Neustädtischen Friedhof in Brandenburg an der Havel Erinnerungen an die große Fabrikantenfamilie (Brennabor-Werke) wach.  Auch findet sich hier das  Grabmal für Oberbürgermeister Franz Ziegler (1803 – 1876) und den Namensgeber der Tismarstraße sowie den Marienberg-Stifter Robert Leue, die Grabstätte der mit Lederwaren reich gewordenen Familie Spitta (1811) sowie des Mühlenbesitzers Arno Tiede (1916)…
Täglich kommen Zehntausende Menschen auf deutsche Friedhöfe und dabei wird nicht nur getrauert und erinnert: sie kommen, um Gräber zu gestalten und zu pflegen, andere um aus der Ruhe Kraft zu schöpfen, die Grünanlagen zu bewundern oder sich der Kunstwerke und Denkmäler zu widmen.

Ein immaterielles Kulturerbe

Und genau darum geht es beim Immateriellen Kulturerbe Friedhofskultur, dass die UNESCO als eine unglaublich vielschichtige kulturelle Ausdrucksform anerkennt und mit einer entsprechenden Erkennungstafel auszeichnet, die pünktlich zum „Tag des Friedhofs“ am 20. September 100 Friedhöfen in Deutschland zuteilwird.
Für Martin Mitrenga, den Leiter des seit 1740 bestehenden Neustädtischen Friedhofs, eine Auszeichnung und Werbung zugleich. Er erklärt: „Unsere Friedhöfe sind ruhige, erholsame Orte, an denen wir uns immer wieder auch den Kernfragen des Lebens stellen. Unsere Friedhöfe sind gestaltete Parkanalagen und wichtige Orte der Biodiversität. Friedhöfe sind soziale Begegnungsstätten und ein lebendiges Geschichtsbuch. Friedhöfe sind unsere Mahnung zum Frieden und unser inspirierender Kulturraum.

Ein Spiegel unserer Gesellschaft

Vor allem aber ist unsere Friedhofskultur ein eindrucksvoller Spiegel unserer Gesellschaft. Und all das machen wir nun auf besondere Art und Weise sichtbar: Wir zeichnen unseren Friedhof deutlich sichtbar mit einem neuen Schild als immaterielles Erbe aus: Um den Wert der Kulturform für unsere Gesellschaft deutlich sichtbar zu machen und so zu ihrem Schutz beizutragen.“

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