Tschaikowskis „Mazeppa“, das ist Grand opéra auf Russisch: ein Historienbild, eine Studie über die Bewegungen der Massen – zugleich aber ein einfühlsames Psychogramm der Gewinner und Verlierer der Geschichte. In ihrem Libretto nach einem Gedicht von Alexander Puschkin verbinden Tschaikowski und sein Textdichter Viktor Burenin die historischen Fakten mit einer Liebeshandlung: Im Hause der alteingesessenen Familie Kotschubej hält der alte Mazeppa um die Hand der Tochter Maria an – seines Patenkindes! Der Vater lehnt ab, Maria muss sich entscheiden und geht mit dem älteren Geliebten. Die politische Intrige Mazeppas reißt indessen alles und jeden in den Abgrund …

Ukrainische Folklore mit politischer Agitation

Musikalisch verwebt Tschaikowskis Oper ukrainische Folklore, sinfonische Dichtung, lyrische Seelenzergliederung und politische Agitation. In großen Chorszenen schildert er minutiös die Verführbarkeit, das Erbarmen und die Gewalt der Massen. Daneben treten in ariosen Passagen und volksliedhaften Chören die privaten Sehnsüchte der Figuren zu Tage.
Der Untergang einer Welt, Krieg und Zerstörung, die Angst der Bevölkerung in Krisenzeiten – diese Themen der Oper „Mazeppa“ nimmt Regisseurin Andrea Moses zum Ausgangspunkt für ihr politisches Musiktheater, das Publikum und Fachpresse anlässlich der Premiere im Staatstheater Cottbus vor einem Jahr fesselte. So zieht sie Parallelen zwischen der neueren Geschichte der Ukraine und der (ost-)deutschen Wendezeit. Die Geschichte um den opportunistischen Kosakenanführer Mazeppa wird in ihrer Lesart zur zeitlosen Fabel vom Zusammenbruch politischer Systeme, von Schock und Chance gesellschaftlicher Umwälzungen, alten Wunden und der Rolle der Massen. Zugleich bringt Andrea Moses ein einfühlsames Psychogramm der historischen Gewinner und Verlierer der Geschichte auf die Bühne.

130-minütiger Opern-Genuss am dritten Januar-Wochenende

Die musikalische Leitung bei diesem Gastspiel im Brandenburger Theater im Rahmen des Theaterverbundes hat Johannes Zurl. Es spielt das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus. In der Titelrolle ist Andreas Jäpel zu erleben, an seiner Seite singt Ilona Krzywicka die Partie der Maria.
Der 130-minütige Opern-Genuss (keine Pause) ist am Freitag, 14. Januar, um 19:30 Uhr sowie am Sonntag, 16. Januar, um 16:00 Uhr im Großen Haus des Brandenburger Theaters zu erleben. Eintrittskarten sind zum Preis zwischen 21 und 32 Euro zu haben. Kartentelefon: 03381/511-111.