„In Brandenburg uff`n Beetzsee, da steht een Fischerkahn, und darin sitzt Fritze Bollmann mit seinen Angelkram“ – wohl die allermeisten von uns können zumindest die erste Strophe dieses Liedes singen oder seine Melodie summen. Doch mit dem legendären Barbier wissen wohl nur die wenigsten Brandenburger etwas anfangen. Möglicherweise sieht der eine oder andere in ihm gar eine erfundene Person, deren Missgeschick in den geläufigen acht Strophen geschildert wird.

Andenken an jenen Friseur

Diese aber halten das Andenken an jenen Friseur aus der Altstadt fest, der dort zwischen 1879 und seinem Tode vor nunmehr 120 Jahren –  am 7. Mai 1901 im dortigen Krankenhaus (Syndikatshaus) – die meiste Zeit gelebt hat. „Er war weder ein Held noch ein Original“, schrieb dereinst Heimatforscher Friedrich Grasow. „Vielmehr verkörperte der biedere Mann den Typ eines harmlosen, freundlichen und gutmütigen Menschen, der alle Nöte und Beschwerden des Lebens kennengelernt hat.“

Sohn eines Leinewebers

1852 in Salbke bei Magdeburg als Sohn eines Leinewebers geboren, wurde Friedrich (Fritz) Bollmann ein tüchtiger Barbier. Mit 23 Jahren verschlug es ihn von Berlin nach Brandenburg, wo er im Geschäft von Fritz Lange (Ritterstraße 23) Anstellung fand. Doch nur ein Jahr später ging er nach Ziesar, kehrte aber über eine weitere „Zwischenstation“ (Fehrbellin) 1879 in unsere Havelstadt zurück. Zunächst tätig in der Rathenower Straße beim Barbier Rudolf Liscovius, gab er wohl alsbald dort auf. Mehrmals zog er um, im Kietz bzw. in der Mühlentorstraße.

Seine hübsche Agnes Wilhelmine

Inzwischen mit seiner hübschen Agnes Wilhelmine verheiratet, machte sich der nun 30-Jährige selbständig. An der damals nach ihm benannten „Bollmann-Ecke“ befanden sich dann für 14 Jahre unweit von Beetzsee und Havel sein Geschäft wie auch die Wohnung. Somit beste Gelegenheit zum Angeln; aber eine Leidenschaft dafür entwickelte der Friseur entgegen oft verbreiteter Meinung nicht.

Vater von elf Kindern

Indes verstärkten sich für ihn mit letztendlich gar elf (!) Kindern die Sorgen und Nöte. Da verwunderte es kaum, dass Bollmann in der gegenüberliegenden Gastwirtschaft von Mutter Preuß ab und an gern seinen „Sorgenbrecher“ zu sich genommen hat. Aber ein Säufer, zu dem ihn heutzutage einige Zeitgenossen in den Medien gern abstempeln, war er nie. Auch Nachfahren wie der gelernte Maurer Wolfgang Rehorek, Erich „Küken“ Domres (einst Fußballer des legendären BSC 05) und Drechslermeister Werner Gericke wehrten sich stets vehement dagegen, dass der Barbier eine „versoffene Witzfigur“ gewesen sei.

Flink und fleißig und keine Witzfigur

Dieser flinke, fleißige Friseur eilte zudem oft auch von Haus zu Haus, treppauf, treppab, um dort vornehmlich die Fischer „zu balbieren.“ Verhängnisvoll für ihn war es, dass er mit den Jungen aus der Nachbarschaft zumeist auf Kriegsfuß stand. Und wo sich der schmächtige Mann im Kietz auch sehen ließ, ertönte der Neckruf „Fritze Bollmann“. Doch nur selten wurde er der Spaßvögel habhaft. Entsprechend erbost, schlug er nach den Buben oder bespritzte sie hilflos mit Seifenschaum. Da blieben unliebsame Auseinandersetzungen mit den Eltern nicht aus. Manches Kind kam dann in Verlegenheit, wenn es zum Haareschneiden musste... (Teil II folgt )