Trotzdem das Brandenburger Adressbuch von 1852 für die Große Gartenstraße nur acht bebaute Grundstücke zwischen Kirchhofstraße und „An der Fluth“ (heute Flutstraße) ausweist, ist sicher, dass auch zwischen Kirchhof- und Jacobstraße schon damals Häuser standen. Parzelliert ist der Abschnitt bereits auf dem Hedemann-Plan aus dem Jahr 1774 und eine erneute Recherche im Adressbuch von 1852 fördern für die Adresse „Am Trauerberge“ 21 Hausnummern zu Tage. Dass sie bis zur Jacobstraße reichten, zeigt das Beispiel des jüngst hier erwähnten Kaufmann Johann Friedrich Krummwiede, der bereits in den 1820er Jahren auf dem Gelände zwischen Garten-, Jacobstraße und Stadtkanal eine Spinnerei und Weberei aufbaute sowie ein großes Fachwerkwohnhaus. Womöglich konnte man auch schon gegenüber wohnen, wo sich laut Adressbuch von 1881 die Große Gartenstraße 1 fand – nahtlos anschließend an die Jacobstraße 19, in der eine Kolonialwarenhandlung angestammt war.

Leben zwischen Jacobstraße und Trauerberg

Bis zum Trauerberg folgten fünf Häuser: Die „1“ gehörte Cafetier Wilhelm Neumann, der drei Mieter hatte und mit dem Restaurant Bürgerhalle die Gastlichkeit an dieser Stelle einläutete. Nr. 2-3 gehörte Witwe Henriette Conrad, geb. Baeß, die 4 und 5 Eisenbahn-Bodenmeister Christian Giese. 1897 listet das Adressbuch für die „1“ Restaurateur August Schulze (Bürgerhalle) und vier Mieter auf, nun eine „1a“ eines H. Löbner, der ein Blumengeschäft und sechs Mieter hatte. In der Nr. 2 war Eigentümer Leopold Dippner zugleich Gasthofbesitzer „zur Stadt Berlin“. Die „2a“ gehörte Fleischermeister Julius Lange (6 Mieter), die „3“ Lehrer Wilhelm Schmollinger (7 Mieter). 1904 war Gustav Seeger Restaurateur der „Bürgerhalle“, und der Gasthof „Zur Stadt Berlin“ weiterhin in der „2“ zu finden. 1909 führt Elisabeth Seeger die Bürgerhalle fort, ist laut Eintrag von 1919/20 nun Witwe und zählt Restaurateur Karl Gütling zu ihren Mietern. Vor allem aber reihte sich die „1“ mit dem „Victoria-Lichtspiel-Palast“ ab 1917 in den wachsenden Reigen der Lichtspielhäuser ein...

Einst und jetzt



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