1925 erstreckte sich das Schienennetz der im Jahr 1911 eröffneten elektrischen Straßenbahn (siehe BRAWO vom 25. April) auf beachtliche 18,68 Kilometer. Dort rollten inzwischen 25 Trieb- sowie 17 Beiwagen. Nahezu 3,5 Millionen Fahrgäste – zu jener Zeit hatte unsere Stadt 57.000 Einwohner – wurden binnen zwölf Monaten befördert. Zugleich standen fast 359.000 Mark als Betriebseinnahmen zu Buche; demgegenüber lagen die Kosten lediglich bei knapp 70 Prozent davon. Hatte die Elektrische während des Ersten Weltkrieges eher nur bedingt Probleme zu bewältigen, so traf es sie mit fortschreitender Dauer des zweiten, 1939 ausgelösten Weltenbrandes vor allem durch die zunehmende Zahl von Bombenangriffen umso mehr.

Frauen im Fahrerstand

Längst mussten Brandenburgerinnen, wie dereinst schon von 1914 bis 1918 praktiziert, die zur Front einberufenen Männer ersetzten. Ob nun mit der Kurbel am Fahrerstand oder beispielsweise als Schaffnerin bewiesen sie sich. Teilweise oder völlig eingestellte Linien – bedingt durch zerstörte Brücken und Gleisabschnitte, Ausfälle wegen Materialmangels –, überfüllte und mit Rollos abgedunkelte Straßenbahnen (den Bomberverbänden sollte keine Orientierung gegeben werden) prägten immer mehr den Ablauf.

Betrieb kriegsbedingt eingestellt

Schließlich musste nach dem letzten und zugleich schwersten Fliegerangriff auf unsere Heimatstadt am 20. April 1945 der ohnehin schon unregelmäßige, auf ein Minimum reduzierte Betrieb komplett eingestellt werden. Fast alle Brücken, große Teile des Wagenparks, der Schienen und Oberleitungen waren inzwischen durch Bomben zerstört. Es sprach für die Straßenbahner und anderen Mitstreiter in jener so schweren Zeit, dass schon Mitte Juni 1945 die erste Elektrische wieder rollen konnte. Nachdem es Ende 1946 dann auch „Fahrt frei“ für die trotz vielerlei Schwierigkeiten enorm schnell instandgesetzte Luckenberger Brücke hieß, im Oktober 1947 die Jahrtausendbrücke sowie gut ein Jahr später die aus drei „Restkonstruktionen“ ideenreich gefertigte Gördenbrücke folgten, war fast das gesamte Gleisnetz wieder befahrbar.

Wiederaufbau und Erweiterung

Mit dem Wiederaufbau, insbesondere etlicher Industriebetriebe wie dem Stahl- und Walzwerk, ging es an das Erweitern der Strecken. So rollte die Bahn ab Sommer 1950 sogar erstmals in das SWB-Gelände hinein. Während der Folgejahre wurde das Gleis bis Höhe Frankenstraße bzw. dann zur Quenzbrücke geführt. Mittlerweile lösten die ersten aus DDR-Produktion stammenden Wagen einige der über Jahrzehnte bestens bewährten Trieb- und Anhängefahrzeuge aus der Ammendorfer Waggonfabrik Siegfried Lindner ab.

Zahlen statt Farben

Eine gravierende optische und organisatorische Neuerung gab es am 1. Februar 1955. Ersetzten doch nun Nummern die seit Inbetriebnahme der Elektrischen liebgewonnenen Farben für die einzelnen Bahnlinien. Vieles veränderte sich in den darauffolgenden Jahren am technischen Ablauf wie auch Design und Wageninneren.