Viel Resonanz hat unser Beitrag über „Brieletta“ hier gefunden, so u. a. bei der Brandenburgerin Helga Radtke. Sie schrieb uns, dass ihr Vater, Friedrich Schmidt, damals in Brielow der erste Werkleiter war. Eine der Aufgaben war, Maschinen für das Kartoffel-Nestpflanzverfahren nach sowjetischem Vorbild zu bauen. Im Rundfunk musste der Firmenchef dazu im Sommer 1956 ein Interview geben. Doch das – so erinnert sich Frau Radtke – brach plötzlich ab; ihr Vater hatte schon böse Vorahnungen. Denn besagte Technik war auf märkischem Sandboden – wie Versuche zeigten – ungeeignet.

Drei Tage bei der Stasi

Als seine Tochter nach dieser fragwürdigen Radiosendung kurzum Angst erfüllt mit dem Rad nach Brielow fuhr, „empfingen“ sie zwei leitende Brieletta-Beschäftigte mit der kurzen Bemerkung „er ist abgeholt worden“ und übergaben ihr seine Sachen. In Windeseile ging es für die besorgte Oberschülerin wieder zurück und gleich zur „Stasi“-Dienststelle in der Neuendorfer Straße. Dort aber erhielt sie keinerlei Auskünfte. „Nach drei Tagen war unser Familienoberhaupt plötzlich wieder da! Krawatte und Schnürsenkel, die man ihm abgenommen hatte, holte er aus der Jackentasche...

Der Westen war keine Option

Sofort ging es für uns nun per Zug nach Westberlin; mein Vater als Ingenieur fand dort binnen zwei Stunden eine Anstellung. Daraufhin packten wir schnellstens mehrere Koffer, um die DDR zu verlassen. Aber letztendlich waren die Bindungen des in große Gewissenskonflikte geratenen Friedrich Schmidt zu seiner Mutter stärker. Noch am selben Tag entschied er, doch „hier“ zu bleiben. Berufliches Wirkungsfeld des geschassten Brieletta-Chefs wurde fortan das Kunstseidenwerk Premnitz.