Schützenvereine haben in Brandenburg eine lange Tradition, dienten aber nicht wie heute nur dem Sport und der Geselligkeit. Als sich die Tradition solcher Vereinigungen im 14. und 15. Jahrhundert Bahn brach, dienten sie dem Schutz ihrer Städte und waren den Landesherrschern zu Kriegsleistungen verpflichtet, weswegen Schützengilden höchst offiziell vom Militär mit Waffen ausgestattet wurden. So auch in Brandenburg an der Havel, wo die Altstädtische Schützengilde mit dem Gründungsjahr 1559 die jüngere ist. Die Neustädtische Schützengilde macht für sich als Geburtsjahr 1431 geltend und war wohl lange Zeit auch die mitgliederstärkere. So auch ablesbar im Brandenburger Adressbuch von 1847, in dem deren Mitgliederverzeichnis dreieinhalb Seiten füllt, das Altstadt-Pendant zweieinhalb.

Wegweisende Schützenvereine

Die komplette Aufnahme ist zugleich Ausdruck des Stellenwerts der Schützenvereine, der im Falle der Neustadt sogar eine Straße gewidmet war: Die heutige Geschwister-Scholl-Straße war Jahrhunderte lang die „Schützenstraße“ und führte zum Schützenhaus, das 1846 den Bahnhof zum Nachbarn bekam und sich mit ihm sogar eine Hausnummer teilte, laut Adressbuch von 1867 die Nr. 29. Im Jahr 1875 war die Bahnhofstraße erfunden und die Schützenstraße 29 bald alleinig dem Schützenhaus vorbehalten. Wie lange ein solches dort schon stand und seit wann das heute noch vorhandene dort steht? Letzteres wohl seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. 

Einst und jetzt



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