Böse Folgen sollte es für den Barbier Fritze Bollmann geben, nachdem er beim Angeln aus seinem Kahn in den Domstreng (nicht in den Beetzsee!) gefallen war. Zwar konnte er sich retten, doch als von ihm seine Kunden von dem Zwischenfall erfuhren – ahnungslos ausgeplaudert – war es geschehen. Denn den Jungen im Kietz kam es ebenfalls zu Gehör und alsbald dichteten sie die ersten Verse im hiesigen Dialekt. Die Melodie war dem Lied „Bei Sedan auf den Höhen“ entlehnt, das an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erinnerte. Fortan schallten dem bemitleidenswerten Bollmann bei jeder Gelegenheit die verhassten Strophen, deren Zahl bald wuchs, entgegen.

Vom Hauswirt 1896 gekündigt

Vom Hauswirt 1896 gekündigt, musste der biedere Friseur sein Geschäft in der Mühlentorstraße aufgeben. Um sich die Kosten für den Umzug in Nähe des Schützenhauses (Brielower Straße) zu ersparen, transportierte er einen Teil seiner geringen Habe mühevoll mit dem Kahn. Und schon schmetterte die Schuljugend von der Homeyenbrücke zum Abschied lauthals das Lied...
Dieser „Bollmann-Marsch“ verstummte einfach nicht mehr. Als der findige Geschäftsmann Hollerbaum – später Besitzer des Sportparks unweit der Plane – den singenden Jungen begegnete, schrieb er sich den Text auf und ließ einen mit Bild versehenen Druck fertigen.

Geschäftsmann Hollerbaum verewigte das Bollmannn-Lied

Nur kurze Zeit später wurde dieser in den Papierwarenhandlungen angeboten. Bollmann fühlte sich beleidigt, stellte Strafantrag. Es folgte 1885 ein Verbot; die Schrift wurde beschlagnahmt und eingezogen. Doch keiner hielt sich daran. Nun von Erwachsenen gereimt, entstanden schnell weitere Verse. Zudem veränderten die „Lieddichter“ die bisherige Reihenfolge. Unterdessen zog der so schmählich Behandelte gar noch dreimal in der Altstadt um.

Bollmanns trauriges Ende

Am 7. Mai 1901 verstarb er als einer der letzten Patienten des alten Krankenhauses (heute Fouquè-Bibliothek) an Zungenkrebs. Da lebten lediglich noch vier seiner Kinder.
Der Brandenburger Bildhauer Carl Lühnsdorf schuf dann 1924 im Auftrag der Stadt einen attraktiven, sprudelnden Anglerbrunnen, der fortan vor der neuen Badeanstalt Grillendamm bis Anfang der 1970er Jahre seinen Standort hatte. Gewissermaßen ein Denkmal für den Barbier, obwohl es keinesfalls ein Abbild sein sollte. Später wiederholt demoliert, fand das nach 1990 völlig neugestaltete Kunstwerk – nun mit eingemeißelten Liedstrophen – endlich in der Hauptstraße seinen Standort.

Als Brandenburger Original unsterblich

Hinzu kam 2014 auf dem Beetzsee eine Figur, die noch heute Diskussionen auslöst. Ein Jahr danach verewigte Designer Guido Schütz mit einem ansprechenden Souvenir aus Kunststein (15 cm Höhe) den Bollmann-Brunnen.
Indes hatten bereits 1997 heimatverbundene Brandenburger auf dem Altst. Friedhof für einen Gedenkstein an der wiederentdeckten Grabstelle des Barbiers gesorgt. An ihn erinnern uns u. a. auch der Weg parallel zum Westufer des Beetzsees, ein alljährlicher Anglervergleich sowie das idyllische Bollmannsruh, Ortsteil von Päwesin. Übrigens, den Namen Fritze Bollmann trug sogar ein von der Fa. C. Marschner KG (Parduin) dereinst produzierter Likör.