Dem öffentlichen Reiseverkehr wurde der hiesige Bahnhof nebst Eisenbahnlinie am 7. August 1846 übergeben. Zunächst rollten zwischen Magdeburg und Berlin täglich je Richtung zwei Züge. Eine Fahrt von Brandenburg, die in der III. Klasse 12 Silbergroschen kostete, dauerte nach Potsdam fast eineinhalb (!) Stunden. Jeder Reisende hatte 50 Pfund Gepäck frei. Zur Elbestadt war es nahezu eine Stunde länger. Im November ereignete sich bereits ein erster Unglücksfall, als bei Jeserig zwei Wagen den Bahndamm hinabstürzten. Ein Schaffner fand den Tod.

Die Bahn rollte immer erfolgreicher

Nach Übergabe der Potsdamer Brücken rollten täglich jeweils vier Züge, bereits 1847 dann auf zwei Schienensträngen. In jenem Jahr nutzten schon 707.000 Personen die Angebote der Eisenbahngesellschaft (ab 1880 in Staatseigentum).
Unser Brandenburg erhielt deutliche Impulse für Industrie und Wirtschaft. Rund um den außerhalb der Stadt liegenden späteren „Staatsbahnhof" entwickelte sich nun rege Bautätigkeit. Zudem legte man ab Trauerberg etliche neue Straßen an, so die Kleine Garten-, die Schul-, Bahnhof-, Flut- sowie Werderstraße. Schon 1846 hatte man die Große Gartenstraße verlängert.

Bekanntmachungen aus der Pionierzeit

Lassen wir noch einige Bekanntmachungen aus der Pionierzeit des „schwarzen Dampfrosses" Revue passieren: „Von heute, den 12. September, gehen täglich drei Züge zwischen Berlin und Magdeburg. Aus Berlin morgens 9 Uhr, abends 5 Uhr und 10 Uhr. Letzter Zug fährt nur bis Brandenburg. `Übernachtet´ wird hier, geht morgens um 5 Uhr weiter und trifft 7 1/4 Uhr in Magdeburg ein. Von dort morgens 6 Uhr, mittags 12 Uhr und abends 6 1/4 Uhr". Eine andere Anzeige las sich so: „Ab Donnerstag, den 17. 9., halten auch mittags 12 Uhr von Magdeburg nach Berlin fahrende Züge in Groß Kreutz in dem Falle, wenn Passagiere von dort oder dahin dieselben benutzen wollen." Und das erfuhren die geneigten Leser vier Tage danach: „In Folge der höheren Orts angeordneten Benutzung der Dampfwagenzüge zu den Sendungen zwischen den an der Strecke gelegenen Postanstalten haben die tägliche Personenpost zwischen Potsdam und Magdeburg, Brandenburg und Potsdam bzw. Magdeburg sowie die Botenpost zwischen Brandenburg und Lehnin zu cursieren aufgehört. Dagegen ist eine zweispännige Personenbeförderung im Gange (Brandenburg-Plaue, Lehnin-Groß Kreutz)".

Die Bahnhofswirtschaft war mit von der Partie

Die bereits am 1. August 1846 eröffnete Bahnhofswirtschaft war allzeit beliebt, zumal es allwöchentlich im Saal gut besuchte Konzerte sowie Chor-Darbietungen gab. Später, im Laufe des 20. Jahrhunderts, übernahm die MITROPA diese Lokalität, die zu DDR-Zeiten täglich bis zu 1.000 Reisende bewirtete bzw. dann eine große Selbstbedienungsreihe erhielt. Für einige Jahre bestand daneben ein „Intershop" en miniature (mit Waren für Westgeld), abgelöst später von einem Flachbau.
Der nunmehr 175-jährige Bahnhof, zwischen 2012 und 2014 wieder zu einem Schmuckstück hergerichtet, ist einer der ältesten erhalten gebliebenen in Deutschland. Täglich nutzen ihn etwa 9000 Reisende, darunter Tausende Berufspendler.