Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser neuen BRAWO-Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen, – sofern wieder möglich – das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.

Dieses Objekt stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Kaffee-HAG-Tasse, gefunden auf einer Mülldeponie bei Strausberg. In der Tasse spiegeln sich zwei Aspekte wider.
Zum einen ist sie Ausdruck von Ornamentlosigkeit und Schlichtheit, wie sie zuvor noch nicht bekannt war. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Tendenzen zu einem neuen sachlichen Stil. Dieser Stil in Architektur und Design ist das Ergebnis des 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbundes, einem Zusammenschluss von Künstlern, Handwerkern, Architekten und Unternehmern. Ihr gehörten unter anderem bekannte Persönlichkeiten wie Henry van de Velde, Bruno Taut, Peter Behrens oder Walter Gropius sowie Ludwig Mies van der Rohe an.

Verbindung von Kunst, Industrie und Handwerk

Ziel war es, durch eine optimale Gestaltung den deutschen Industrieprodukten einen hervorragenden Platz auf dem weltweiten Absatzmarkt zu verschaffen. Durch die Verbindungen zwischen Kunst, Industrie und Handwerk konnten somit nicht nur Impulse für Formgebung und Baukultur, sondern auch für weiterführende Prozesse innerhalb der Gesellschaft gegeben werden.
Der zweite Aspekt, der sich in der Tasse zeigt, steht für die Erfolgsgeschichte des Bremer Bürgers Ludwig Roselius, welcher 1906 mit anderen Bremer Großhändlern die Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee-HAG) gründete. Als weltweit erstes Unternehmen stellten sie koffeinfreien Kaffee her.

Unverwechselbaren Werbemotive

Ab 1908 entstanden dann die unverwechselbaren Werbemotive der Marke. Mit Hilfe des Designers, Architekten und Werbegraphikers Wilhelm Christoph Eduard Scotland wurde in den ersten Jahren ein modernes Corporate Design entwickelt. Somit gehörte Kaffee HAG, neben der AEG mit Peter Behrens, zu den ersten Unternehmen mit einem einheitlichen und grafisch geschmackvollen, imagepflegenden, werblichen Auftritt. Das von ihm entwickelte Logo des roten Rettungsringes sollte die Rettung vor gesundheitlichen Schäden symbolisieren. Eine eigens entworfene Schrift unterstützte zusätzlich die Werbung.