Bis das Ende des Zweiten Weltkrieges alles in der St.-Annen-Straße hinwegraffte, gab es allein zwischen der St.-Annen-Brücke und Deutsches Dorf zwölf Häuser. Rochows Stadtpalais (Nr. 12) und das Gesellschaftshaus Escher (Nr. 8/9) stachen heraus aus zumeist zweigeschossigen Bauten, darunter die Nr. 4, zu der die Ansichtskarte aus den 1930er Jahren führt – ein Einblick in „Naumanns Hotel“. Bevor Haus und Grundstück gastfreundlich wurde, dienten sie als Tuchfabrik und Tuchhandlung, zumindest ab Einzug von Kaufmann Moritz Simon jun. am 1. Juni 1852. Damals waren die Stadtteile noch durchnummeriert und hier die St. Annenstraße 169. Als daraus im Jahre 1867 die „4“ wurde, war Kaufmann Eli Simon Kaufmann Eigentümer von Haus, Tuchfabrik und Tuchhandlung.

Hier wohnte der spätere Oberbürgermeister Hammer

Zu seinen drei Mietern zählte laut „Adreß-Buch für die Stadt Brandenburg“ ein „Stadt-Syndikus Hammer“. Zweifelsohne Rudolf Hammer, der 1830 als Sohn des Tuchgroßhändlers und Stadtältesten Gottlieb Hammer und dessen Frau Karoline (geb. Blell) geboren war, 1864 – nach dem Studium der Rechtswissenschaften – in die Brandenburger Stadtverwaltung kam. Nach Jahren als Syndikus und Stadtrat, war er ab 1872 Zweiter Bürgermeister, ab 1897 Erster Bürgermeister und von 1900 bis 1905 dann Oberbürgermeister. Zu jener Zeit bewohnte er längst sein Elternhaus in der Hauptstraße 28, war nun „Ehrenbürger“ seiner Heimatstadt, die ihm zu Ehren 1911 die Verlängerung der Großen Münzenstraße „Hammerstraße“ nannte.