Auf den ersten Blick wirken die neuen Schilder mit den Aufschriften „Haltepunkt Nordtor“ und „Haltepunkt Südtor“ wie aus der Zeit gefallen. Nirgendwo zwischen Platanenallee, Wusterwitzer - und Schulstraße findet sich ein Gleis, auf dem ein Zug diese Haltepunkte anfahren könnte.
Die Schilder stehen für die Eisenbahn- und Industriegeschichte von Kirchmöser. Nachdem am 1. März 1920 die Reichsbahn die alte Pulverfabrik übernommen hatte, wurde eine Verbindung zwischen dem Bahnhof Kirchmöser und dem ehemaligen Nordtor des neuen Reichsbahnwerkes geschaffen.

„Kirchmöseraner Pendel“

Regelmäßig verkehrte ein Zug zwischen den Haltepunkten, was ihm bald den Namen „Kirchmöseraner Pendel“ einbrachte. Bahnmitarbeiter aus Brandenburg, Berlin oder Magdeburg erhielten einen direkten Anschluss ihres Arbeitsplatzes an die Fernbahnstrecke. Bis in die Zeit der DDR war der Zug zum Schichtwechsel im Werk unterwegs.
Neben dem Denkmal der alten Dampflok an der Wusterwitzer Straße erinnern nun die Schilder an diese kurze Bahnstrecke. Als der SPD-Ortsverein Kirchmöser /Plaue am 1. März 2020 zu einer Feier zum 100. Jahrestag des Eisenbahnstandortes einlud, wurde die Idee geboren.

Viele Unterstützer

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und Ortsvorsteher Carsten Eichmüller sowie Steffi und Gerhard Sondermann übernahmen die Vorarbeiten. In Berlin-Wannsee fand man die passende historische Schriftart, ehe in einer Gemeinschaftsaktion der Spezialmaschinen- und Ausbildungs-GmbH (SPEMA) und der BVV Feuerverzinkung Verwaltungs-GmbH die Schilder fachgerecht gefertigt und aufgestellt wurden.
Dazu Gerhard Sondermann vom SPD-Ortsverein: „2020 konnten wir das Eisenbahnjubiläum nicht gebührend feiern. Dafür erinnern jetzt die neuen Schilder an 100 Jahre Bahnstandort Kirchmöser und an die Leistungen von Eisenbahnern und Arbeitern, die hier oft ein Leben lang tätig waren. Danke an alle, die geholfen haben.“