Am Sonntag, 26. September 2021, wird zum 20. Mal der Deutsche Bundestag gewählt. In unserer Heimatstadt Brandenburg sind annähernd 59.000 Einwohner zur Stimmabgabe berechtigt. Wir aber wollen hier einmal in das Jahr 1946 zurückblicken und an eine erste Abstimmung nach Ende des Zweiten Weltkrieges erinnern. Vor ziemlich genau 75 Jahren, am 15. September, ging es nämlich darum, die Vertreter für das Brandenburger Stadtparlament zu bestimmen.

So war es damals

In der gesamten sowjetischen Besatzungszone (SBZ), zu der auch unser Brandenburg an der Havel gehörte, waren diese Wahlen der Gemeindevertretungen anberaumt. Dazu empfahlen sich auf dem Stimmzettel: Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – hervorgegangen aus der wenige Monate zuvor erfolgten Zwangsvereinigung von KPD und SPD –, Christliche-Demokratische Union, Liberal-Demokratische Partei sowie der Antifaschistische Frauenausschuss in Listenverbindung mit der SED. Wie auch die dann am 20. Oktober folgenden Wahlen zu den Land- und Kreistagen in der SBZ (kurz „Zone“ genannt), sollten es jedoch die ersten und zugleich letzten wohl einigermaßen freien Wahlen auf dem Gebiet der späteren DDR bis 1990 bleiben.

Sichtsschutz beim Wählen auch schon 1946

Allerdings gab es 1946 im Vorfeld jedoch auch Repressalien und Eingriffe seitens der sogenannten antifaschistischen Einheitsfront unter Maßgabe der allgegenwärtigen sowjetischen Militäradministration. Beide verweigerten seinerzeit beispielsweise einer Reihe von CDU- und LDP-Kandidaten die Listengenehmigung. Begründet kurzerhand lauttönend mit angeblichen „Störversuchen reaktionärer Kräfte“. Die Bürger hatten am 15. September im jeweiligen Stimmlokal hinter einem sichtgeschützten Tisch oder auch in einem Nebenraum die Möglichkeit, ihr Kreuz auf dem Schein zu machen. 93,1 Prozent der 43.395 wahlberechtigten Brandenburger – so zumindest gemäß danach folgender Bekanntmachung – entschieden an jenem Septembertag so: SED 56,48%, CDU 21,71%, LDP 18,27%, Frauenausschuss 1,26%. Ungültig waren 982 Stimmen. Daraufhin zog die Einheitspartei mit 30 Abgeordneten, die CDU mit elf und die LDP mit neun Vertretern in das Stadtparlament ein.

Lehren aus einer fast freien Wahl

Sechs Wochen später, am 20. Oktober, wurde aus unserer Havelstadt bei der Wahl des Landtages für die damalige Provinz Brandenburg mit seinen insgesamt 100 Sitzen dieses Ergebnis verkündet: SED 53,5%, CDU 26,3%, LDP 15,7%, Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe 1,1%. Jedoch blieb der Einheitspartei die erhoffte absolute Mehrheit in allen fünf seinerzeit noch bestehenden Ländern versagt. Das nahmen die SED-Oberen und die vorrangig bestimmende Besatzungsmacht zum Anlass, um künftig hin – bis zum Untergang der DDR (1989) – für alle „Wahlen“ nur noch die so genannten Einheitslisten aufzustellen.