Die Dominsel war Standort einer slawischen Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet.
Mancher hat sich vielleicht schon gefragt, weshalb die Petrikapelle keinen Turm besitzt, nicht einmal einen kleinen Dachreiter. Tatsächlich hat es ihn gegeben, und wer die Kapelle betritt, dem fällt rechter Hand eine eigenartige Kammer auf.

Das Erdgeschoss des alten Turmes

Dabei handelt es sich aber nicht um einen Abstellraum, sondern um das Erdgeschoss des Turmes. Im Jahre 1849 mussten der Turm wie auch der Giebel abgetragen werden – wegen Baufälligkeit und aus Kostengründen, denn die Instandsetzung erwies sich als zu teuer. So erklärt sich die sehr einfach gehaltene Westfassade mit fünf spitzbogigen Fenstern.
Wer auf die Ostfassade schaut, entdeckt Ähnlichkeiten. Auch hier befinden sich im unteren Bereich fünf Spitzbogenfenster beziehungsweise Blenden, wobei das mittlere in Breite und Schmuck hervorsticht.

Von der alten Westfassade künden nur noch neuzeitliche Bilder

Die Reihe darüber ist ähnlich gestaltet. Darüber folgt eine Rundblende sowie Dreiecksblenden. Von der alten Westfassade künden nur noch neuzeitliche Bilder und Zeichnungen, die die barocke Ausgestaltung abbilden: Wegen des Turmbaus, der wohl im 15. Jahrhundert anzusetzen ist, sind zahlreiche Fenster zugesetzt worden. Spitzbogige Blenden (Scheinfenster) in drei Reihen übereinander gliedern die ganze Fassade. Die hohen Fialen (schmückende turmartige Erhöhungen) auf den beiden Graten lassen die Kirche etwas höher und schlanker wirken.

Letzte Zeichnung vor dem Abbruch

Der achteckige Turm bestand aus einer Holzkonstruktion, die der Brandenburger Bauinspektors Heidfeld aus Brandenburg an der Havel auf Plänen dokumentierte. Die Zeichnungen entstanden kurz bevor der Giebel abgebrochen wurde und die Fassade ihre heutige Gestalt erhielt. Als letztes Überbleibsel verwahrt das Dommuseum noch die Turmfahne, eine etwas grobe Figur des Heiligen Petrus mit Bart und langem Haar und einem übergroßen Schlüssel in der Hand. Bemerkenswert ist das große Schussloch im Hals des Apostels. Wir wissen nicht, woher es rührt. Vielleicht hat ja ein barocker Sonntagsjäger einen Schwarm Enten verfehlt?
*Dr. Rüdiger von Schnurbein ist Dommuseumsleiter.