Während die berühmte Paris-Skulptur lediglich von der Grabenpromade zum Fuße des Marienbergs (Am Rosenhag) umgezogen ist, ist eine weitere herausragende Arbeit von August Julius Wredow spurlos verschwunden. Sein „Ganymed“, der einst auf den jungen Bildhauer aufmerksam gemacht hatte. Wredow gab 1828 ein Gipsmodell in eine Ausstellung in Rom sowie einen Abguss zur Berliner Kunstausstellung. Die Kunstwelt war begeistert, Käufer auch.

Alle wollten Wredows Ganymed

Der Berliner Kunstverein wollte Ganymed in Bronze, Kronprinz Friedrich Wilhelm in Marmor fürs Schloss Charlottenhof. Ganymed gilt in der griechischen Mythologie als Sohn des trojanischen Königs Tros und als der „Schönste aller Sterblichen“. Wredow machte ihn mit seiner Plastik unsterblich. Eine Kopie sollte nach Wredows Tod (1891) auch seine Heimatstadt zieren. „Von Paul Hubrich in tadellosem Marmor dem Original im Schloß Charlottenhof nachgebildet, fand er als eine Stiftung der Brüder Hermann und Bruno Witte seinen Platz in der von denselben Kunstfreunden gestifteten weinumrankten Pergola auf dem Marienberg“, verrät ein 1926 im DARI-Verlag erschienenes Brandenburg-Buch.

Mit Blick zum Kriegerdenkmal

Ganymed war „zum Adler des Zeus aufblickend“ gedacht und schaute nun gen das 1880 eingeweihte Kriegerdenkmal. Als 1958/59 an dessen Stelle der Wasserbehälter entstand, war Ganymed schon verschwunden – und zwar spurlos. Eine erneute Kopie wurde abgelehnt. Erst der Lions-Club Brandenburg fand mit der Stadt eine Alternative: im Museum schlummerte ein Original von Wredow - eine 1857 gefertigte, 52 cm hohe, recht ramponierte Gipsbüste. Der Club finanzierte die Restaurierung als auch die am 15. April 2015 eingeweihte Replik aus weißem Kunststein.

Einst und jetzt



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