„Der Entwurf für eine Freilichtbühne auf dem Marienberg liegt vor“, so verkündeten es im September 1953 die zwei Brandenburger Lokalzeitungen. Bald nach dieser ersten Information konnten die Havelstädter mehrere Modelle für dieses ehrgeizige Projekt begutachten, zugleich ihre Meinung äußern und Änderungsvorschläge einbringen. Etliche davon wurden später in die Pläne von Stadtbaurat Paul Schulz eingearbeitet beziehungsweise in abgewandelter Form berücksichtigt.
Eindeutig jedoch war die Vorgabe: Der Bau darf kein Geld aus der Stadtkasse kosten.

Ein „Nationales Aufbauwerk“

Daraufhin appellierte man (wieder einmal) an die Bevölkerung, innerhalb des sogenannten, viel beschworenen „Nationalen Aufbauwerkes“ zu helfen. Fast ein Jahr später beschäftigte sich ein Aufbauaktiv detailliert mit den finanziellen Belangen. Es galt, vielerlei Materialien für Bühne, Zuschauerraum, Beleuchtungsanlagen und so weiter zu kaufen. So fand ein Vorschlag viel Anklang, demzufolge nach Aufkleben von Spendenmarken die Konturen des Modells auf Plakaten klar sichtbar waren.

Im April 1955 ging es los

Wenn erst im April 1955 die Erdarbeiten „oberhalb“ vom Krematorium-Friedhof begannen, deutete das auf die Gesamtproblematik hin. Mitglieder des vorgenannten Gremiums lenkten fortan die „freiwilligen“ Einsätze. Es wurden Mitglieder des Jugendverbandes FDJ sowie weitere Schüler aus den oberen Klassen ins Visier genommen beziehungsweise direkt dazu verpflichtet. Täglich sollten am Nordabhang des Marienbergs 40 bis 50 Helfer mehrere Stunden lang arbeiten. Diese wurden danach auf einem Kärtchen unter anderem von den Arbeiterveteranen Pfannschmidt und Pritschow akribisch bestätigt.

Einweihung am am 19. Mai 1956

Schließlich konnte dann am 19. Mai 1956, also vor nunmehr 65 Jahren, der erste Gong auf der weitgehend fertiggestellten Freilichtbühne mit ihrer 2900 Quadratmeter umfassenden, halbrunden Arena ertönen. Und 800 Besucher –  perspektivisch für 3000 Gäste gedacht – fanden einen Sitzplatz, als das Ensemble der sowjetischen Luftstreitkräfte erfreute. Und das zu einem Zeitpunkt, da Brandenburg Gastgeber für das Jugendfest anlässlich der 10. Wiederkehr des 1. FDJ-Parlaments war. So avancierte die neue Kulturstätte gleich zum Zentrum dieser Programme.

Vielerlei kulturelle und sportliche Veranstaltungen

Vielerlei kulturelle und sportliche Veranstaltungen, oft zu Großereignissen, wechselten künftig einander ab. Speziell während der ersten Zeit gehörten dazu Theaterinszenierungen wie Millöckers Operette „Gasparone“. Bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung kamen die Musiker im Orchestergraben da mächtig ins Schwitzen. Heiß her ging es auf andere Art während eines Jugendforums im Sommer 1960 zum Thema Schlagermusik. Als ein ranghoher FDJ-Funktionär fast drohend die Besucher aufforderte, keine Westsender wie Radio Luxemburg und Rias Berlin zu hören – „um nicht zu Kriegstreibern zu werden“ –, war deren Geduld überstrapaziert. Unter einem gellenden Pfeifkonzert, begleitet von Droh- und Buhrufen, musste der Propagandist Hals über Kopf vorzeitig die Bühne verlassen...