Hätten Sie es gewusst? Auf immerhin 110 Jahre hat es inzwischen die gute, alte „Elektrische" in unserer Heimatstadt gebracht. Es war nämlich keinesfalls ein Aprilscherz, als anno 1911 eben zum 1. 4. der Start für die erste strombetriebene Bahn auf der Grünen Linie zwischen den beiden Brandenburger Bahnhöfen angekündigt wurde. Und bereits gut zwei Wochen später beförderte zudem eine Weiße Linie die ersten, sichtlich aufgeregten und erwartungsvollen Fahrgäste vom Neustädtischen Markt zum Schlachthof bzw. bis zur Planebrücke. Bald nach dieser „Geburtsstunde" waren immerhin schon 16 Triebwagen im Einsatz. Somit hatte die relativ kurze Epoche der Pferdebahn (seit 1. Oktober 1897) ein schnelles Ende gefunden.

Nach 14 Jahren Pferdebahn

Dem ging seinerzeit ihr Kauf durch die Stadt voraus. Hatte doch der Magistrat mit einer gehörigen Portion Weitsicht beschlossen, baldmöglichst den elektrischen Betrieb aufzunehmen. Und fortan verwalteten die Kommune sowie Experten des bereits 1901 in der Bauhofstraße fertiggestellten Elektrizitätswerkes gemeinsam eben diese Straßenbahn. Eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte im städtischen Nahverkehr begann. Auch heutzutage besteht berechtigter Anlass, darauf stolz zu sein. Wer nennt all jene, die seitdem – gleich in welcher Form auch immer – daran mitgeschrieben haben?!

Aufschwung der Elektrischen

Lassen wir einige Etappen kurz Revue passieren. Bereits im Laufe des Gründungsjahres der „Elektrischen" (1911) ließ sich ein erster Aufschwung erkennen. So rollten im Herbst, wie 1925 der so engagierte Straßenbahndirektor Sudikatis resümierte, nicht nur die Wagen der Grünen Linie (siehe oben), sondern es wurde sogar eine Verbindung vom Staatsbahnhof über den Altstadt Markt bis hin zur Brielower Straße/Musterwiese angeboten. Schienennetz sowie Fuhrpark, für den ein weiträumiges, modernes Depot errichtet worden war (Bauhofstraße), wuchsen alsbald. Bereits ab Mitte Mai 1912 bestand überdies Gelegenheit, sowohl das Landhaus an der Plane als auch mit der Blauen Linie das Caféhaus Görden (später Waldcafé) bequem zu erreichen.

Ein vorfristiges Weihnachtsgeschenk

Ein vorfristiges Weihnachtsgeschenk gab es dann noch am 14. Dezember für die Bewohner des eigenständigen Fischerstädtchens Plaue. Seitdem rollte nämlich ab Brandenburg die Elektrische als Gelbe Linie dorthin (heutzutage aktuell die Diskussion zur Wiederbelebung der Strecke - d. Verf.). Nur vier Monate später folgte damals zum Vorteil der Eisenbahn-Reisenden die erste Fahrt vom Staatsbahnhof aus. Plaue erhielt zugleich ein kleines Depot. Die Landesanstalt Görden war überdies auch mit der Blauen Linie zu erreichen.

Rasante Entwicklung

Rasant die weitere Entwicklung. So wurde 1917 das Gleis von Plaue über die Seegartenbrücke bis zur Pulverfabrik Kirchmöser, dem späteren Reichsbahn-Ausbesserungswerk Brandenburg-West (RAW), verlängert. Damit wuchs die Strecke auf 14,34 Kilometer an. Gleichzeitig diente diese Relation nun dazu, auf ihr täglich ab hiesigem Güterbahnhof mit zwei Spezialwaggons diverses Stückgut sowie Postsachen zu transportieren. (Nächste Folge am 2. Mai)